Energieaudit nach EDL-G – Merkblatt zur Ermittlung des Gesamtenergieverbrauchs

Energieaudit Merkblatt Ermittlung des Gesamtenergieverbrauchs

Das BAFA hat als Vorabinformation ein Merkblatt zur Ermittlung des Gesamtenergieverbrauchs veröffentlicht. Unternehmen erhalten darin konkrete Hinweise für die Datenerhebung im Hinblick auf die Bagatellregelung bei der Durchführungspflicht zum Energieaudit.

Das Wichtigste im Merkblatt

  • Der gesamte Energieverbrauch ist zu 100 Prozent im Betrachtungszeitraum zu ermitteln (12 Monate).
  • Das verpflichtete Unternehmen ist die kleinste, rechtlich selbständige Einheit ohne Tochtergesellschaften.
  • Zu berücksichtigende Energieträger werden genannt.
  • Nicht zu berücksichtigender Energieverbrauch wird aufgelistet.
  • Der Betrachtungszeitraum wird erklärt.
  • Die Besonderheiten bei Mietverhältnissen werden erläutert.
  • Der Nachweis der Bagatellschwelle wird konkretisiert.

Bagatellregelung bald in Kraft

Nachdem die EDL-G-Novelle die beiden Kammern passiert hat, steht sie nun vor dem Inkrafttreten. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat eine Vorabversion des Merkblattes zur Ermittlung des Gesamtenergieverbrauchs veröffentlicht. Unternehmen, die die Bagatellregelung zur Durchführung eines Energieaudits in Anspruch nehmen wollen, können bereits jetzt erste Schritte einleiten.

Die sogenannte Bagatellregelung stellt die Durchführungserleichterung für Nicht-KMU mit einem Gesamtenergieverbrauch über alle Energieträger hinweg von maximal 500.000 Kilowattstunden pro Jahr (§ 8 Abs. 4 EDL-G n.F.) in Aussicht. Diese genügen der Pflicht zur Durchführung eines Energieaudits im Sinne und nach den Fristen des § 8 Abs. 1 und 2 (n. F.), indem sie gegenüber dem BAFA innerhalb von zwei Monaten online eine Erklärung abgeben. Ob ein Nicht-KMU unterhalb der Bagatellschwelle liegt, ermittelt sich aus dem Gesamtenergieverbrauch des letzten vollständigen Abrechnungszeitraums von zwölf Monaten, der dem Kalenderjahr, in dem ein Energieaudit durchgeführt werden müsste, vorausgeht (§ 8 Abs. 4 EDL-G n.F.).

Definition verpflichtetes Unternehmen

Für die Betrachtung ist der gesamte Energieverbrauch (100 Prozent) eines verpflichteten Unternehmens zu berücksichtigen. Das Merkblatt definiert das verpflichtete Unternehmen als „die kleinste rechtlich selbständige Einheit, die aus handels- und/oder steuerrechtlichen Gründen Bücher führt und bilanziert, einschließlich ihrer Zweigniederlassungen, Filialen und Betriebe bzw. Betriebsteile“. Tochtergesellschaften, sofern sie rechtlich selbständig sind, sind als eigene Unternehmen anzusehen. Die Energieverbräuche von Partner- und/oder Verbundunternehmen werden nicht aufsummiert.

Für diese Unternehmen müssen alle im Eigentum befindlichen, selbst genutzten sowie alle angemieteten Gebäude und Standorte, an denen Energie verbraucht wird, und alle weiteren zum Unternehmen gehörenden Energieverbraucher (Anlagen, Prozesse, Fuhrpark, etc.) erfasst werden. Dabei sind vermietete Gebäude/Standorte dem Unternehmen, welches diese Räumlichkeiten betrieblich nutzt bzw. angemietet hat, zu zurechnen.

Umgang mit Energieträgern

In die Berechnung fließen der gesamte Energieverbrauch und die gesamten Energiekosten ein. Dabei müssen die Energieträger nach kWh und Euro p.a. aufgeschlüsselt werden. Hierzu wird das volle Spektrum gebräuchlicher Energieträger von Heizöl über Strom bis Fernwärme ins Kalkül gezogen. Im Merkblatt ist eine Umrechnungstabelle von Heizwert und Brennwert in kWh Standardeinheit aufgeführt. Allgemein zu beachten ist, dass der Bereich „Transport“, d.h. der Kraftstoffverbrauch der Firmenfahrzeuge, mit betrachtet werden muss. Hierzu gelten jedoch Ausnahmen wie im Folgenden dargestellt.

Energieverbrauch ohne Berücksichtigung

Außerhalb der Berücksichtigung bleibt Energie, die an Dritte geliefert wird. Das wirft die bekannte Problematik der Erfassung und Abgrenzung von Drittmengen auf. Die Verbräuche außerhalb der Bundesrepublik Deutschland werden nicht einbezogen. Gleichwohl entscheidet sich der KMU-Status des Unternehmens nach Gesichtspunkten, die das Unternehmen weltweit betreffen.

Der Bereich Transport gehört mit seinem Energieverbrauch zu den zu erfassenden Energieträgern. Neben den bereits im Gesetz als Ausnahmen angeführten Flugtreibstoffen und Bunkerölen für die Seeschifffahrt ist eine Verbrauchsabgrenzung im Fuhrpark des Unternehmens angezeigt. Nicht zu berücksichtigen ist der Energieverbrauch internationaler Transporte, die weder in Deutschland starten, noch enden. Denkbar ist z.B. eine Lieferfahrt vom Produktionsstandort Tschechien zu einem Kunden nach Frankreich. Die separate Rückfahrt zur Zentrale nach Deutschland müsste dagegen wieder erfasst werden. Das Hinweisblatt lässt ausdrücklich die Option zu, den Verbrauch eigentlich nicht zu erfassender Fahrten mit einzubeziehen. Das stellt eine Vereinfachung dar, wenn der Aufwand für die Abgrenzung den Nutzen überwiegt.

Der Energieverbrauch von geleasten Fahrzeugen sowie von Dienstwagen, die auch privat genutzt werden, findet keinen Eingang in die Berechnung. Ebenso verhält es sich mit Energieverbräuchen aus dem Transport von Gütern und der Beförderung von Personen , die von Dritten erbracht werden.

Der Energieverbrauch von Mitarbeitern im Home-Office kann unberücksichtigt bleiben. Eine genaue Spezifizierung erfolgt an dieser Stelle nicht.

Betrachtungszeitraum

Laut Gesetz ist Gesamtenergieverbrauch des letzten vollständigen Abrechnungszeitraums von zwölf Monaten, der dem Kalenderjahr, in dem ein Energieaudit durchgeführt werden müsste, vorausgeht, maßgeblich (§ 8 Abs. 4 EDL-G n.F.). Das Merkblatt empfiehlt, sich an der Abrechnung des Hauptenergieträgers zu orientieren. Bei Verbrauchswerten für Energieträger, die (noch) nicht vollständig vorliegen, ist es zulässig, nachvollziehbare Hochrechnungsverfahren anzuwenden. Darunter sind beispielsweise Gradtagszahlen oder Durchschnittswerte anhand von Energiekennwerten zu verstehen. Mehrere Abrechnungen für den Betrachtungszeitraum, z.B. für Gas aufgrund des Gaswirtschaftsjahres, sind zu verrechnen. Bei mehreren Standorten sind jeweils anteilig für den Betrachtungszeitraum Werte zu ermitteln und für die Gesamtbetrachtung aufzusummieren.

Das BAFA unterstreicht, dass die zur Ermittlung des Energieverbrauchs genutzte Datengrundlage nachweisbar und überprüfbar sein muss. Zum Beispiel können Abrechnungsunterlagen der jeweiligen Energieversorgungsunternehmen für die verwendeten Energieträger verwendet werden.

Mietverhältnisse

Bei Gebäuden oder einzelnen Räumlichkeiten sind die Energieverbräuche dem Unternehmen zu zurechnen, das diese betrieblich nutzt und dort Endenergie bezieht. Das ist unabhängig von Eigentum üblicherweise der jeweilige Nutzer bzw. Mieter, der Einfluss auf den Energieverbrauch hat. Strom- und Wärmeverbrauch sind in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen.

Falls eine Betriebskostenpauschale vereinbart ist, ist eine detaillierte Betriebskostenabrechnung durch den Vermieter nicht zu erstellen. Eine Pauschale für Heiz- und Warmwasserkosten ist jedoch nicht zulässig und muss mindestens zu 50 Prozent verbrauchsabhängig abgerechnet werden. Die Nachweisführung wird in dieser Konstellation über die verbrauchsabhängige Abrechnung und den Verteilschlüssel geleistet.

Das Vorliegen eines Energieverbrauchsausweises bietet die Möglichkeit, anhand der darin ausgewiesenen Kennzahlen auf Basis der genutzten Flächen eine Hochrechnung, bzw. Abschätzung vorzunehmen.

Nachweis der Bagatellschwelle

Sofern der ermittelte Gesamtenergieverbrauch im Betrachtungszeitraum maximal 500.000 kWh beträgt, ist das betreffende Unternehmen nicht zur Durchführung eines vollumfänglichen Energieaudits verpflichtet.

Die ermittelten Zahlen zum Energieverbrauch und zu den Energiekosten sind nebst den Basisdaten zum Unternehmen dem BAFA über ein Onlineformular mitzuteilen. Eine Zusendung, bzw. Übermittlung von Abrechnungen, Quittungen usw. ist dabei nicht notwendig. Die Dokumentation muss allerdings für eine eventuelle Stichprobe durch das BAFA vorgehalten werden.

Nachweisführung aufwendig

Das BAFA gibt mit dem Merkblatt frühzeitig Hinweise, wie die Bagatellregelung im Unternehmen anzuwenden ist. Im Modellfall mit einem Unternehmen an einem Standort wird die Nachweisführung einfach umzusetzen sein. Komplexere Anforderungen ergeben sich allerdings bei der Ermittlung der Energiemengen bei Fahrzeugflotten und angemieteten Räumlichkeiten. Die Zuordnung des Flottenverbrauchs nach Nutzung und Routen erfordert eine große Detailtiefe. Bei angemieteten Räumlichkeiten mit einer Nutzung durch mehrere Gesellschaften oder bei unpräziser bzw. pauschalierter Abrechnung der Kosten kann eine detaillierte Aufschlüsselung schwierig werden. Insbesondere die Abgrenzung des Verbrauchs von Dritten kann sich als problematisch erweisen. Welche Maßnahmen hier als rechtlich genügend anzusehen sind, wird die Verwaltungspraxis zeigen.

ISPEX unterstützt Unternehmen dabei, die relevanten Daten zu ermitteln und Nachweise aufzubereiten, damit die Bagatellregelung sicher in Anspruch genommen werden kann. Sollte sich im Zuge der Erhebung zeigen, dass die Durchführung eines Energieaudits notwendig ist, unterstützen wir Sie umfassend. Unser Leistungsangebot haben wir bereits auf die neue Gesetzeslage abgestimmt. Dort finden Sie auch vertiefende Informationen zum Thema Energieaudit.

Titelbild: Henry Kellner via Wikimedia Commons unter CC BY-SA 4.0 ; Ausrisse und Montage ISPEX

BAFA: Merkblatt zur Ermittlung des Gesamtenergieverbrauchs

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