Energiemarkt-Kommentar: Preise für Strom und Gas im Jahr 2016 mit größten Schwankungen seit Jahren

Preischart Strom 2016 Dezember

Die Entwicklung der Energiepreise an den Handelsplätzen im Dezember war von starken Schwankungen geprägt und ist damit Sinnbild für das gesamte Jahr 2016. Vor allem die Strompreise erlebten im vergangenen Jahr die volatilste Zeit seit Jahren. So konnten sich Unternehmen Anfang Dezember günstiger eindecken als noch im November, in der zweiten Monatshälfte stiegen die Notierungen schon wieder auf Jahreshöchstwerte.

ISPEX-Energiepreisindex: Unternehmen nutzen günstige Strompreise Anfang Dezember

Im Dezember schlossen Unternehmen im Durchschnitt zu Konditionen ab, die günstiger als im November waren und in etwa auf dem Oktoberniveau lagen. Der Wert fiel von 3,70 ct/kWh im November auf den Dezemberwert von 3,40 ct/kWh.

ISPEX Strompreisindex Dezember 2016

Die gesunkenen Einkaufspreise sind auf zwei Gründe zurückzuführen. Zum einen nutzen Unternehmen im Dezember die bereits zum Ende des Vormonats gefallenen Börsenpreise für Strom. Diese notierten in der ersten Monatshälfte noch niedriger als im November und ermöglichten bessere Einkaufskonditionen. Zum anderen lag es daran, dass Unternehmen im Dezember tatsächlich vorwiegend die erste Monatshälfte für die Energiebeschaffung nutzen. Dass diese Phase der moderaten Preise wahrgenommen wurde, lag indes überwiegend nicht an planvollem Vorgehen, sondern schlicht daran, dass die Weihnachtspause vor der Tür stand. Die verantwortlichen Einkäufer waren zum Teil gezwungen, noch vor Weihnachten die anstehende Energiebeschaffung abzuschließen.

Der Dezember spiegelt im Grunde das gesamte Jahr 2016 wider. Dieses war erstmals seit Jahren wieder von starken Schwankungen geprägt. Mehr als in den Jahren zuvor, war es wichtig, zum richtigen Zeitpunkt einzukaufen. Die Auswahl des richtigen Lieferanten ist heutzutage mit offenen Online-Ausschreibungen gang und gäbe. Die Identifikation des richtigen Einkaufszeitpunkts hingegen wird von deutschen Unternehmen zum Teil noch immer stiefmütterlich behandelt. Der Rückblick auf die Schwankungen des vergangenen Jahres sollten hier eine Lehre sein, zumal die richtige Marktbeobachtung und Risikostreuung mit den entsprechenden Online-Tools einfach und kostengünstig umsetzbar ist (vgl. dazu Energiebeschaffung).

Achterbahn an den Strombörsen

So wie die Strompreise von Anfang November bis zu dessen Ende hin kontinuierlich und stark gefallen waren und zudem zu Beginn des Dezembers noch einmal nachgaben, so entwickelten sie sich im Dezember in die entgegengesetzte Richtung und notierten zur Jahreswende in etwa auf dem Höchststand von Anfang November. Die Grafik zu den gängigsten Stromprodukten verdeutlicht diese Achterbahnfahrt der Strompreise.

Entwicklung der Großhandelspreise für Strom

Preischart Strom 2016 Dezember

Wie so oft wurden die heftigen Preissprünge nicht nur durch eine einzige Ursache ausgelöst, sondern mehrere Aspekte spielen zusammen und verstärken sich gegenwärtig. Die Diskussion der letzten Monate, ob der Anstieg der Strompreise nun die Kohlepreise beeinflusst hat oder andersherum, dürfte zumindest für die aktuelle Situation eindeutig beantwortet sein. Die Kohle ist wieder zum stärksten Einflussfaktor für die europäischen Strompreise avanciert. Zwar musste der Wartungsmodus einer Reihe französischer Kernkraftwerke nochmals verlängert werden, doch stehen diese nach den jüngsten Behördenentscheidungen bald wieder voll zur Verfügung. Dieser Umstand, der im Grunde ohnehin nur die kurzfristigen Lieferprodukte hätte beeinflussen dürfen, nach dem üblichen Handelsgeschehen aber immer auch die langfristigen Lieferkontrakte mitzieht, ist mittlerweile voll in den Preisen berücksichtigt. Insofern waren diese für den Anstieg der Preise im Dezember nicht verantwortlich.

Vielmehr sind es die starken internationalen Kohlepreise, die von vielfältigen Einflüssen gestützt wurden. Wie in der Vergangenheit war es die gestiegene Nachfrage Chinas nach Kohle, die die Preise trieb. Hinzu kamen positive Konjunkturerwartungen für die Industriestaaten, die sowohl die Kohlepreise, als auch die Strompreise direkt beflügelten. Zum insgesamt gestiegenen Energiepreisniveau trug schließlich die Stabilisierung des Rohölpreises auf einem höheren Niveau bei. Diese beruht auf der vor einigen Wochen beschlossenen Kürzung der Förderung durch die OPEC-Staaten und anderer bedeutender Erdölförderländer wie etwa Russland.

Die den Preis stützenden Faktoren könnten jedoch schon bald gebremst werden, was für eine Abschwächung des Aufwärtstrends oder gar dessen Umkehrung spricht. China hat wieder eine Ausweitung der eigenen Inlandförderung für Kohle beschlossen und zugleich den Gebrauch in einigen Regionen eingeschränkt, da durch die übermäßige Kohleverfeuerung die Grenzwerte der Emissionen überschritten wurden. Ein Indiz dafür, dass insgesamt weniger Kohle zu transportieren sein wird und der Kohlepreis als Folge einer geringeren Nachfrage fallen könnte, sind die zurückgehenden Frachtkosten beim Kohletransport. Außerdem erwartet der gesamte Energiemarkt, dass der Rohölpreis nicht mehr erheblich steigen wird. Das erreichte Niveau lässt die Ölförderung durch Fracking-Methoden vor allem in den USA wieder lukrativ erscheinen, was eine Preisbarriere nach oben einzieht. All diese Betrachtungen sind zwar grundsätzlich nur für die kurz- und mittelfristigen Preise relevant, beeinflussen aber der Erfahrung im Handel nach auch immer die längerfristigen Preisprodukte für Stromlieferungen. Nach alledem dürfte der Preisanstieg eher gebremst oder gar umgekehrt werden, als dass eine nochmalige Preisrallye zu erwarten ist. Die ersten Tage im Januar mit fallenden Preisen könnten schon die Vorboten dieser Entwicklung sein.

ISPEX-Energiepreisindex: Auch Gaspreise vor allem Anfang Dezember günstiger

Die beim Gaseinkauf erzielten Preise verhielten sich im Dezember ähnlich zu denen für Strom. Auch hier nutzten Unternehmen die günstigen Preise zu Beginn des Monats, nachdem die Großhandelspreise stark abgesackt waren. Der durchschnittlich gebotene Gaspreis lag bei 1,74 ct/kWh nach zuletzt 1,81 ct/kWh und damit wieder in etwa auf Novemberniveau.

ISPEX Gaspreisindex Dezember 2016

Verglichen mit den vergangenen Jahren lag das Preisniveau des Jahres 2016 insgesamt wieder unter dem des Vorjahres. Auf den ersten Blick wurde damit der Trend der vergangenen Jahre bei den Gaspreisen vergleichbar den Strompreisen nachvollzogen. Hier sah der Markt seit Jahren eine kontinuierliche Abwärtsbewegung. Allerdings war das Jahr 2016 vor allem durch sehr niedrige Angebote im ersten Quartal geprägt. Danach entwickelte sich die geglättete Preiskurve kontinuierlich nach oben. Es scheint also, als habe der Markt gedreht und es stünden Zeiten steigender Preise bevor.

Eine pauschale Aussage über die langfristigen Preisaussichten ist allerdings kaum möglich. Immer sind diese abhängig von den Entwicklungen an den Energiebörsen und Großhandelsplätzen, welche ihrerseits von einer Vielzahl von Einflussfaktoren bestimmt werden. Das Jahr 2016 offenbarte aber, dass die Annahme, die Energiepreise entwickelten sich nur in eine Richtung – nämlich nach oben – keinen weiteren Bestand hat.

Gaspreise mit Aufwärtstendenz

Die Entwicklung der europäischen Gaspreise verlief nahezu parallel zu denen der Strompreise. Nach einem nochmaligen Preisabschlag gleich zu Beginn des Monats war der Dezember von durchweg steigenden Gaspreisen geprägt, die in den ersten Januartagen etwas nachgaben.

Entwicklung der Großhandelspreise für Erdgas

Preischart Gas 2016 Dezember

Ebenso wie die Ausführungen zur Preiskurve beim Strom nahezu eins zu eins auf diejenige beim Gas übertragen werden können, gilt dies für eine ganze Reihe beeinflussender Rahmenbedingungen. Auch hier stützen die festeren Notierungen von Kohle und Öl die Gaspreise. Für das Gas spielt zudem das Wetter eine entscheidendere Rolle. Die tieferen Temperaturen der vergangenen Wochen trugen zu höheren Preisen bei und stützen die Preise zusätzlich. Der Einfluss der hieraus entstandenen höheren Nachfrage wurde noch dadurch verstärkt, dass das Angebot etwas verknappt wurde. Ursächlich hierfür sind Speicherwartungen und unerwartet geringere LNG-Auslieferungen. Hier greifen indirekte Marktzusammenhänge, indem die kurzfristige Preise auch die mittel- und langfristigen Notierungen im Handel beeinflussen.

Gerade die derzeitige Kältewelle könnte den zu Beginn des Januars zu beobachtenden Preisabschlag wieder egalisieren. Die Nachfrage wird zusätzlich durch die andauernde Wartung der Atomkraftwerke in Frankreich stabilisiert, da die zur Kompensation eingesetzten Gaskraftwerke dort weiterhin hohe Nachfrage generieren. Für demnächst wieder sinkende Gaspreise spricht allerdings das wohl bevorstehende Ende des Anstiegs der Kohle- und Ölpreise. Anders als bei den Strompreisen überwiegt bei den Gaspreisen die Annahme, dass der Anstieg noch etwas länger anhält, wenngleich in diesem Falle keine Kursexplosion zu befürchten ist.

 

Haftungsausschluss

Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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Dr. Stefan Arnold

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