Energiemarkt-Kommentar: Gasvorräte auf Tiefstand – Marktlage bleibt entspannt
Von ISPEX am 12. Jan 2026
Im neuen Jahr ist das Bild an den Energiemärkten uneinheitlich: Nachdem das Strom-Frontjahr von seinem Dezember-Tief wieder etwas Boden gutmachen konnte, bewegt sich der Kurs seit Jahresbeginn in einer engen Seitwärtsspanne. Am Gasmarkt hingegen besteht trotz Kältewelle weiterhin Abwärtsdruck. Der scheinbare Widerspruch zwischen angespannter fundamentaler Lage und fallenden Terminkursen erklärt sich durch das massiv gestiegene LNG-Angebot. Kurzfristig besteht allerdings die Gefahr von Preisspitzen fort.
Entwicklung der Stromkurse für die kommenden Jahre
(Stand: 09.01.26, Quelle: ISPEX Kompass)
Strom: Hohe Verluste beim Lieferjahr 2027
Hatte sich DE Base 2027 im November noch stets oberhalb der Marke von 85 €/MWh behaupten können, geht es mit dem Monatswechsel steil abwärts. Fast ununterbrochen fällt die Notierung bis auf 80,70 €/MWh am 10. Dezember – das entspricht einem Rückgang von 6,4 % innerhalb von acht Handelstagen. Seit Ende des Sommers war der Future nicht mehr so günstig zu haben. Anschließend kommt es rasch zu einer Korrektur, doch bei knapp 84 €/MWh stößt DE Base 2027 um die Feiertage auf Widerstand. Seit Jahresbeginn pendelt der Stromkurs zwischen rund 82 und 84 €/MWh seitwärts.
Die Notierung für das Folgejahr, DE Base 2028, fällt am 10. Dezember ebenfalls auf ihr Monatsminimum und beendet den Tag mit 77,80 €/MWh. Im Gegensatz zum KJ 2027 ist das Abwärtsmomentum weniger stark ausgeprägt: Die Notierung verliert innerhalb von acht Handelstagen 4,5 % an Wert und liegt damit wieder auf dem Niveau von Ende September – wenn auch nur für die Dauer eines Tages. Denn anschließend legt DE Base 2028 wieder zu. Seither pendelt er ohne klare Richtung im Korridor von rund 79 bis 80 €/MWh.
Während sich der Strompreis für das Jahr 2027 innerhalb von 12 Monaten aktuell um 2,2 % verteuert hat, beträgt das Plus bei DE Base 2028 knapp 8 %.
Entwicklung Erdgas-Terminkurse
(Stand: 09.01.26, Quelle: ISPEX Kompass)
Gas: Abwärtsdruck nimmt Anfang Januar wieder zu
Ab dem 21. November beschleunigt sich der Abwärtstrend am Gasmarkt ganz erheblich. Kostete THE 2027 zuvor noch bis zu rund 31 €/MWh, gibt die Notierung in den folgenden Wochen kräftig nach und erreicht am 16. Dezember ein neues Allzeittief von 26,18 €/MWh. Über die Feiertage kann sich THE 2027 etwas erholen. Am 2. Januar erreicht sie ein lokales Hoch von 27,64 €/MWh – der höchste Stand seit Anfang Dezember. Doch dabei bleibt es nicht: Der aktuell herrschenden Kälte zum Trotz verbilligt sich Gas zur Lieferung im kommenden Jahr und die Notierung fällt wieder unter die Marke von 27,00 €/MWh. Mit zuletzt 26,50 €/MWh ist sie nicht mehr allzu weit von ihrem Dezember-Tief entfernt.
Während für THE 2027 die Marke von 26 €/MWh als Untergrenze dient, liegt diese für THE 2028 bei 25 €/MWh. Tatsächlich ist die Notierung im Zuge der Dezember-Talfahrt am 16. des Monats mit 24,94 €/MWh sogar geringfügig unter diesen Wert gefallen. Noch vor den Feiertagen macht THE 2028 anschließend einen Kurssprung auf 26 €/MWh. Ab dem 5. Januar folgt abermals eine Kehrtwende nach unten: Der Kurs fällt bis auf 25,17 €/MWh am 8. Januar.
So geht die aktuelle Kältewelle scheinbar spurlos an den Terminkursen für die kommenden Jahre vorbei. Am kurzen Ende der Terminkurve zeigt sich hingegen seit Mitte Dezember durchaus eine Reaktion: Der Februar-Kontrakt steigt von rund 28 €/MWh bis maximal knapp 31 €/MWh an. Auf Unterstützung trifft die Notierung zuletzt bei etwa 29 €/MWh. Gemessen am Preisniveau im November, als der Terminkurs noch bis zu 34 €/MWh kostete, ist dies allerdings noch immer günstig.
Gasverbrauch Deutschland erreicht Spitzenwerte in KW02/26
(Stand: 09.01.26, Quelle: ISPEX Kompass)
Struktureller Wandel am Gasmarkt
Gemessen an der fundamentalen Lage kann man die Marktsituation noch als ausgesprochen entspannt bezeichnen. Denn der Gasspeicherstand in Deutschland beträgt am 10. Januar nur noch 47 % – das niedrigste Niveau zu dieser Zeit seit mehr als zehn Jahren. Mit Entnahmen von insgesamt 61 TWh seit Anfang November werden die Speicher überdies so stark beansprucht wie seit dem Winter 2020/2021 nicht mehr. Dabei lagen die Verbräuche in den Monaten November und Dezember noch leicht unter den Werten der Vorjahresmonate. Allerdings betrug der Speicherstand Anfang November 2024 komfortable 98 % gegenüber lediglich 75 % am 1. November 2025. Der zurückliegende Dezember hat uns mit vorwiegend milder Witterung noch einen Puffer beschert, der jetzt in der ersten Januarhälfte mit anomal tiefen Temperaturen aufgezehrt wird.
Entscheidend für die Terminkurse der kommenden Jahre ist indes das erwartete LNG-Angebot. Bereits im vergangenen Jahr sind die Kapazitäten in den USA um ca. 25 Mio. Tonnen pro Jahr gewachsen – eine Menge, die fast den gesamten Importen der EU im Q1/2025 entspricht und erst in diesem Jahr durchschlagende Wirkung am Markt entfalten wird.
Gasspeicherstand mit 47 % so niedrig wie seit mehr als 10 Jahren nicht zu Anfang Januar
(Stand: 10.01.26, Quelle: ISPEX Kompass)
Dennoch ist die Gefahr temporär stark steigender Preise in den kommenden Wochen nicht gebannt. Es bestehen Risiken, dass auch die zweite Januarhälfte kälter ausfällt als es die Mittelfristprognose des ECMWF derzeit nahelegt. Und die saisonale Vorhersage der Meteorologen für den Februar signalisiert mit einer nur geringen positiven Abweichung (gemessen am langjährigen Mittel) im Monatsmittel einen eher kalten Verlauf. Es ist sogar denkbar, dass sich die deutschen Gaspreise von den globalen LNG-Preisen vorübergehend entkoppeln, denn sowohl die Terminalkapazitäten in Deutschland als auch die Pipeline-Flüsse ex Benelux und Norwegen sind begrenzt. Gehen die Vorräte zur Neige, dann kann hierzulande Knappheit entstehen, obwohl reichlich LNG auf See verfügbar wäre. Noch ist das Glas, respektive die Speicher, halb voll und das Worst Case-Szenario wenig wahrscheinlich angesichts der typischen Temperaturschwankungen im Verlauf eines Winters. Und da die LNG-Produktionskapazitäten (USA, Katar) in diesem Jahr weiter kräftig zulegen dürften, wären fast leere Speicher zum Ende des Winters kein Schreckensszenario für Energieeinkäufer:innen mehr – im Gegensatz zu den Vorjahren.
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