Energiemarkt-Kommentar: Strompreis startet schwächer, Gaspreis stabil ins neue Jahr

Preischart Strom 2017 01

Die Preise für Strom und Gas starten insgesamt recht stabil in das neue Jahr und geben zum Teil etwas nach. Beim Stromeinkauf konnten Unternehmen sogar günstigere Preise als noch im Dezember erzielen, was vor allem an einer Preisdivergenz zwischen den an den Börsen gehandelten Energieprodukten liegt. Dort sind derzeit besonders im Stromhandel deutliche Unterschiede zwischen den gehandelten Lieferzeiträumen zu beobachten. Vor allem der kurzfristige Handel notiert wesentlich höher als die Lieferjahre ab 2019.

ISPEX-Energiepreisindex: Strom für gewerbliche Abnehmer derzeit günstiger als zum Jahreswechsel

Die Konditionen, zu denen Unternehmen im Januar Stromlieferverträge abschließen konnten, waren im Januar etwas besser als im Dezember. Der von ISPEX ermittelte erzielbare Durchschnittspreis sank von 3,40 ct/kWh auf 3,21 ct/kWh.

Strompreisindex Januar 2017

Diese Entwicklung ist eins zu eins auf die jüngste Entwicklung der Börsenpreise (vgl. u.) zurückzuführen. Dabei haben wie immer nicht nur die Durchschnittspreise, sondern auch die abzuschließenden Lieferjahre eine Bedeutung. Für diese werden an den Börsen unterschiedliche Preise gehandelt. Schließt ein Unternehmen derzeit Verträge für die Lieferjahre ab 2019 ab, so kann es bessere Preise als für das kommende Jahr 2018 erzielen. In solchen Situationen sollten Unternehmen stets in Betracht ziehen, sich die Preise für die weitentfernten Jahre zu sichern und für das kommende Jahr noch abzuwarten, bis auch dieses günstiger abgeschlossen werden kann. Bei den derzeitigen Preisen beträgt dieser Unterschied durchaus 0,2-0,3 ct/kWh, was bei entsprechenden Mengen erhebliche Kosten bedeuten kann.

Schließlich waren im Januar interessante Beobachtungen bei der Preisgestaltung im deutschlandweiten Lieferantenpool zu machen. Aufgrund der teils erheblichen Preisunterschiede zwischen den nahen Lieferperioden (oder gar dem Spotmarkt) und den weiter in der Zukunft liegenden Lieferjahren, wirkt sich das Einkaufsverhalten der Lieferanten auf deren Preisgestaltung aus. Je nachdem wie diese ihr Portfolio bewirtschaften, ergeben deren Kalkulationen unterschiedliche Preise. Und so waren es im Januar auch nicht nur die etablierten Niedrigpreisanbieter unter den Lieferanten, die teils sehr gute Preise boten, sondern auch Lieferanten, die in letzter Zeit nicht unbedingt zu Niedrigpreisen anbieten konnten. Nach wie vor spielt also die Lieferantenauswahl eine große Rolle und Ausschreibungen sollten einem echten Lieferantenwettbewerb ausgesetzt sein. Am effektivsten gelingt dies mit interaktiven Online-Plattformen, bei denen die Angebote der Lieferanten in Echtzeit ausgewertet werden. In ein Ranking gegossen spornt das Lieferanten an, Ihre Angebote schrittweise zu verbessern (vgl. dazu Energiebeschaffung).

Stromnotierungen an den Börsen in unterschiedlichem Maße stabil

Auf den ersten Blick erscheinen die gängigen Stromnotierungen an den Börsen im Januar nach einem Abschlag zu Beginn des Monats recht stabil. Das gilt vor allem auf das so häufig betrachtete Basisband für das Frontjahr an der Leipziger EEX, derzeit also das sog. Phelix Base Cal 18.

Entwicklung der Großhandelspreise für Strom

Preischart Strom 2017 01

Dass diese Betrachtung aber nur die halbe Wahrheit ist, wird bei näherem Hinsehen schnell deutlich. Bereits der Blick auf das Basisprodukt der Lieferjahre 2019 und 2020 offenbart die Preisunterschiede. Während sich das Frontjahr im Januar nämlich stabil entwickelte, wiesen die entfernteren Lieferjahre einen Abwärtstrend auf.

Ganz anders hingegen der kurzfristige Handel, der auf dem Börsenparkett auch immer Auswirkungen auf die längerfristigen Produkte hat. Meist ziehen die Monatsverträge bzw. der Spothandel ebenso die Preise für ganze Lieferjahre mit in ihre Richtung. Während die Lieferjahre 2019 und 2020 aktuell nach unten tendieren, zeigt sich bei den Monatsprodukten und dem Spothandel ein anderes Bild. Deren Notierungen lagen nämlich zum Teil erheblich über den Lieferjahren. So startete das Monatsprodukt für März 2017 mit 40,00 EUR/MWh in den Februar, das Basisband für das Lieferjahr 2020 hingegen mit 27,78 EUR/MWh. Zur Verdeutlichung heruntergebrochen bedeutet das immerhin einen Unterschied von rund 1,22 ct/kWh.

Während sich die Lieferjahre wie erwartet stabilisierten und sogar nachgaben (vgl. dazu Energiemarkt-Kommentar 2017-01), setzte der kurzfristige Handel die Mitte Dezember begonnene Preisrallye fort. Gerade Spothandel und Frontmonat hängen erheblich von aktuellen wirtschaftlichen Geschehnissen und dem Wetter ab. Letzteres durch die in weiten Teilen Europas verbreitete Heizung bzw. Kühlung mittels elektrischer Energie und immer mehr durch die Bedeutung der Einspeisung aus erneuerbaren Energiequellen. Insofern ist dieser Markt sehr schwer, mitunter nur sehr kurzfristig von einem Tag auf den anderen, prognostizierbar. Für die gehandelten Lieferjahre ist indes zu erwarten, dass diese die stabile Situation mit leichtem Abwärtstrend nicht allzu deutlich verlassen. Hier wird es gegenwärtig mangels anderer derzeit relevanter Impulse vor allem auf die Wirtschaftsaussichten ankommen: Nicht zuletzt auf die chinesische Nachfrage nach Kohle und die erwarteten Konjunkturdaten in Europa – insbesondere auf die deutschen. Mit der Personalie Trump und seiner Politik ist hier ein weiterer Faktor hinzugekommen, der im Auge behalten werden sollte.

ISPEX-Energiepreisindex: Gaspreise für Unternehmen nahezu unverändert

Nahezu dieselben Konditionen wie im Dezember erzielten Unternehmen beim Abschluss ihrer Gaslieferverträge im Januar. Die Angebote lagen bei durchschnittlich 1,75 ct/kWh und damit nur 0,01 ct/kWh über dem Wert im Dezember.

Gaspreisindex Januar 2017

Spricht man mit den für den Energieeinkauf verantwortlichen Personen in Unternehmen, nehmen diese das aktuelle Gaspreisniveau höchst unterschiedlich wahr. Diese haben nämlich in den vergangenen Jahren in Relation zum heutigen Preis stark abweichende Preise gesehen. Das Lieferjahr 2018 lag an den Handelsplätzen zu Beginn des Jahres 2014 noch bei über 24 EUR/MWh und im folgenden Jahr immerhin ebenfalls über der 20 EUR-Marke. Wer sich Anfang 2016 eindeckte, sah im Börsenchart Notierungen von teils unter 14 EUR/MWh. Im Jahr 2017 kletterte der Wert wieder auf über 18 EUR/MWh. Dem entsprechend entwickelten sich auch die Einkaufspreise für Unternehmen. Der von ISPEX über diesen Zeitraum hinweg ermittelte monatliche Durchschnittspreis lag bei jeweils 2,73 ct/kWh (01/2014), 2,15 ct/kW (01/2015), 1,55 ct/kWh (2016) und nunmehr besagten 1,75 ct/kWh.

Auch im Gas kommt es also entscheidend auf die Einkaufszeitpunkte an. Im Rückblick auf die vergangenen Jahre verfolgten diejenigen Unternehmen die beste Strategie, die gerade nicht die gesamte Gasmenge an einem Zeitpunkt einkauften, sondern deren Strategie sich entlang der Börsenpreise bewegte. Mit entsprechenden Tranchenverträgen mit Preisformeln, kombiniert mit gezielter Marktbeobachtung, ließen sich so über den Mehrjahreszeitraum die besten Ergebnisse erzielen (vgl. dazu Energiebeschaffung).

Gaspreise an Börsen mit unterschiedlicher Entwicklung

Die Gasnotierungen an den Handelsplätzen zeigten sich wie die Stromnotierungen vor allem hinsichtlich der unterschiedlichen Lieferzeiträume uneinheitlich. Die Basisprodukte für die Lieferjahre blieben weitestgehend stabil und zeigen jüngst eine eher fallende Tendenz.

Entwicklung der Großhandelspreise für Erdgas

Preischart Gas 2017 01

Wie im Vormonat vermutet hat die Kältewelle den Preisabschlag Anfang Januar wieder aufholen lassen. Vor allem der gehandelte Frontmonat legt deutlich zu und entfernte sich erheblich nach oben von den Basisprodukten der kommenden Lieferjahre. Hier zeigten sich die prognostizierbaren Gegebenheiten des Gasmarktes. Die Speicher wurden aufgrund aktuellen Gasbedarfs zu Heizzwecken stark in Anspruch genommen und die Nachfrage stieg insgesamt nach kurzfristig verfügbaren Gasmengen. Die Preise für die kommenden Lieferjahre waren davon nur bedingt betroffen. Diese holten zwar die Verluste von Anfang Januar auf, bewegten sich über den Monat hinweg aber stabil. Die Jahre ab 2019 zeigten sogar eine beginnende Abwärtsbewegung, was mit den allgemeinen Aussichten auf die Weltkonjunktur zusammenhängen könnte. Hier besteht eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der politischen Entwicklungen: diesmal nicht im Nahen Osten, wie es für die Energiepreise oftmals relevant ist, sondern vielmehr in Richtung Welthandel und die Rolle der US-amerikanischen Wirtschaftspolitik. Eine getrübte Konjunktur belastet auch immer die Energiepreise.

Keinen Einfluss auf diese Entwicklung der Gaspreise hat aktuell der Rohölpreis. Wie ebenfalls vermutet verharrt dieser in etwa auf der bereits Ende November erreichten 55-EUR-Linie. Dass er in nächster Zukunft Kurssprünge verzeichnen wird, ist zudem kaum zu vermuten. Hier greifen die Erwartungen des Marktes, dass bei noch höheren Preisen wieder mehr und mehr Reserven durch teurere Fördermethoden wie etwa dem Fracking in den USA erschlossen werden, was zu einem höheren Angebot auf dem Weltmarkt und damit zu einer Stabilisierung des Preises führen würde.

 

Haftungsausschluss

Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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Dr. Stefan Arnold

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