Energiemarkt-Kommentar: Achterbahnfahrt bei CO2 und Gas
Von ISPEX am 11. Feb 2026
Was als fulminante Rallye bei Strom, Gas und CO2 begann, hat sich binnen weniger Wochen in Luft aufgelöst: Nach einem starken Jahresauftakt geben die Notierungen sämtliche Gewinne wieder ab oder rutschen – wie beim Stromjahr 2028 – sogar auf neue Jahrestiefs. Maßgeblich für den Stimmungsumschwung ist das Einbrechen des CO2-Preises nach US-Zolldrohungen sowie Wetterprognosen, die am Gasmarkt für etwas Entspannung sorgen.
Entwicklung der Stromkurse für die kommenden Jahre
(Stand: 10.02.26, Quelle: ISPEX Kompass)
Strom: DE Base 2027 wieder auf Ausgangsniveau
Das Frontjahr DE Base 2027 startet volatil in das neue Jahr 2026. Nach einem frühen Rücksetzer auf 82,10 €/MWh am 5. Januar dreht der Trend zunächst nach oben. Innerhalb von gut zwei Wochen klettert die Notierung um rund 6 % auf ihr bisheriges Jahreshoch von 87,19 €/MWh am 22. Januar. Dieses Niveau kann jedoch nicht verteidigt werden. Zum Monatswechsel geben die Kurse deutlich nach und fallen auf rund 82 €/MWh zurück. Damit notiert das Frontjahr aktuell wieder nahezu auf dem Ausgangsniveau des Jahresbeginns.
Das Folgejahr DE Base 2028 zeigt eine noch schwächere Entwicklung. Zwar markiert der Kontrakt zur Monatsmitte am 16. Januar ebenfalls ein Hoch bei 81,57 €/MWh, gerät anschließend jedoch unter anhaltenden Abgabedruck. Fast kontinuierlich verliert die Notierung an Wert und markiert am 10. Februar mit knapp 76 €/MWh ein neues Jahrestief und den tiefsten Stand seit Mitte September. Allein seit Jahresbeginn beträgt der Verlust immerhin 5,0 %.
Im 12-Monats-Vergleich hat sich das Jahr 2027 gegenüber dem Vorjahr um 5,4 % verbilligt, kleiner fällt der Rückgang für DE Base 2028 mit einem Minus von 2,2 % aus.
Entwicklung Erdgas-Terminkurse
(Stand: 10.02.26, Quelle: ISPEX Kompass)
Gas: THE 2027 legt zu, während THE 2028 deutlich verliert
Das Frontjahr THE 2027 startet zunächst verhalten in das neue Jahr. Nachdem die Notierung am 2. Januar noch bei 27,64 €/MWh liegt, gibt sie in der ersten Handelswoche nach und markiert am 8. Januar ihr Monatstief bei 26,50 €/MWh. Doch die Stimmung dreht ab dem 12. Januar: Neue Prognosen, die bis Mitte Februar kaltes und windarmes Wetter ankündigen, lassen die Nervosität am Markt sprunghaft ansteigen. Zusätzlich angeheizt durch geopolitische Spannungen im Iran, klettert der Kurs stetig aufwärts.
Einen weiteren Preisschub erhält der Markt am 21. Januar, als ein Wintersturm in den USA die LNG-Exporte drosselt und die Versorgungsängste weiter anfacht. In der Folge steigt THE 2027 bis Ende des Monats auf ein neues Jahreshoch von 29,50 €/MWh am 30. Januar. Dieser Höhenflug wird jedoch Anfang Februar jäh gestoppt. Da die Wetterprognosen nun weniger dramatisch ausfallen und ein allgemeiner Abverkauf an den globalen Rohstoffmärkten einsetzt, gibt der Kurs einen Teil seiner Gewinne wieder ab. Aktuell notiert das Frontjahr bei 28,20 €/MWh.
Das Folgejahr THE 2028 zeigt sich von dieser Volatilität weitgehend unbeeindruckt. Zwar vollzieht der Kontrakt die Bewegungen in abgeschwächter Form mit, verbleibt aber im engen Korridor zwischen 25 und 26 €/MWh. Startet das Jahr noch am oberen Ende dieser Spanne bei 26,05 €/MWh, rutscht der Kurs Ende Januar zuletzt bis auf die Marke von 24,56 €/MWh ab und notiert damit am 10. Februar um 5,7 % unter dem Niveau des Jahresbeginns.
CO2-Preis bricht ab Mitte Januar ein
(Stand: 10.02.26, Quelle: ISPEX Kompass)
Dreifacher Einbruch am EUA-Markt
In der ersten Januarhälfte treibt sowohl das Geschehen am Gasmarkt als auch die Fortsetzung der Rallye am EUA-Markt die Strompreise weiter in die Höhe. Diese Entwicklung kulminiert am 16. Januar, als DE Base 2027 die Marke von 87,18 €/MWh erreicht – am Tag zuvor verzeichnete der EUA-Frontmonat mit 90,38 €/t den höchsten Stand seit Juni 2023. Angetrieben von den Zuwächsen am Gasmarkt wird DE Base 2027 eine Woche später zwar noch einen um 1 Cent/MWh höheren Wert erzielen, doch am EUA-Markt setzt jetzt eine Trendwende ein, die zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht als solche zu erkennen war. Tatsächlich werden es bis dato drei Ereignisse sein, die den EUA-Frontmonat um 15 % fallen lassen.
Den Auftakt macht am 19. Januar einmal mehr US-Präsident Trump mit der Drohung von Zöllen gegen EU-Staaten wie Deutschland, die sich in der Grönland-Frage gegen die USA in Stellung gebracht haben. Plötzlich steht der im vergangenen Sommer mühsam erzielte Frieden im Handelskonflikt in Frage und somit auch die erwartete wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr. Innerhalb von nur einem Handelstag bricht EUA M+1 um 4,2 % ein auf 86,37 €/t. Mit dem späteren Einlenken Trumps hinsichtlich seiner Expansionspläne folgt eine stabile Phase bis Ende Januar – der Aufwärtstrend ist jedoch gebrochen: Ausbruchsversuche nach oben schlagen fehl, die Notierung stößt bei knapp 87 €/t wiederholt auf Widerstand. So wird zu Ende Januar unser Szenario „Gewinnmitnahmen am EUA-Markt“ Realität: Es kommt zu weiteren Abverkäufen, insbesondere durch Finanzinvestoren. Unterstützung findet der CO2-Preis bei etwa 80 €/t.
Dabei bleibt es jedoch nicht. In der ersten Februarwoche machen Berichte die Runde, die EU-Kommission plane, Industrieunternehmen doch noch länger bzw. umfangreicher als geplant mit kostenlosen Emissionsrechten zu versorgen. Mit rund 77 €/t liegt EUA M+1 am 5. Februar so tief wie seit Mitte Oktober nicht mehr. Offiziell bestätigt ist seitens Brüssel jedoch nichts. Sicher ist voraussichtlich bis in den Herbst nur, dass die politische Unsicherheit am EUA-Markt hoch bleiben wird. Denn erst nach der Sommerpause wird die EU-Kommission ihre Pläne für eine Revision des Handelssystems ETS1 vorlegen.
ISPEX-Energiemarktanalyse – unser Upgrade für Experten
Speziell auf die Belange von Unternehmen ausgerichtet, analysieren wir jeweils zur Monatsmitte die aktuellen Einflüsse auf die Entwicklung der Preise für Industriestrom und Gas im Detail, wagen eine Prognose für die kommenden Wochen und halten in einem wöchentlichen Kompaktformat über die kurzfristigen Entwicklungen informiert. Verschaffen Sie sich mehr als nur einen Überblick. Jetzt Informationsvorteile für den Energieeinkauf mit der ISPEX-Energiemarktanalyse sichern.
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20. Februar 2026 von 09:00 bis 10:00 Uhr.
Spezial im Februar:
Update Industriestrompreis und Industrienetzentgelte
(Marco Böttger, ISPEX Consulting GmbH)
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Die Teilnahme am ISPEX Energiefrühstück ist bis auf Weiteres kostenfrei.
Die kostenfreie Teilnahme am ISPEX Energiefrühstück richtet sich an Vertreter aus Unternehmen und Institutionen aus Industrie, Wirtschaft und öffentlicher Hand.
Aus Kapazitätsgründen behalten wir uns vor, Anmeldungen von Mitbewerbern kurzfristig zu stornieren.
Haftungsausschluss
Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.
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