Energiemarkt-Kommentar: Auf Preisrutsch im Februar folgt Iran-Krieg
Von ISPEX am 11. Mrz 2026
Nach wochenlanger Entspannung an den Energiemärkten aufgrund milder Wetterprognosen und stark fallenden CO2-Preisen eskaliert zum Monatsende die Lage im Nahen Osten. Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie die Blockade der Straße von Hormus lösen einen massiven Preisschock bei Erdgas aus. Dieser treibt auch die Stromkurse stark nach oben, während EU-Emissionsrechte politisch bedingt unter Druck bleiben.
Strompreise nach starkem Rücksetzer wieder im Aufwind
Stromkurse Deutschland für Lieferung in den kommenden Jahren
(Quelle: ISPEX Kompass, Daten: EEX)
Das Frontjahr DE Base 2027 verzeichnet im Februar zunächst deutliche Kursverluste. Startet der Kontrakt am 2. Februar noch bei 84,00 €/MWh, zieht der milde Witterungsausblick gepaart mit einem Abwärtstrend am Emissionsmarkt die Notierung spürbar nach unten. Kontinuierlich gibt der Kurs nach und markiert zur Monatsmitte am 16. Februar mit 76,62 €/MWh sein Tief.
In der zweiten Monatshälfte setzt jedoch eine Gegenbewegung ein, gestützt durch zunehmende Spannungen am Gasmarkt. Zwar beendet DE Base 2027 den Monat am 27. Februar noch bei 79,71 €/MWh, doch die geopolitische Eskalation im Nahen Osten lässt die Kurse zum Monatswechsel sprunghaft ansteigen bis auf einen Höhepunkt von 97,72 €/MWh am 9. März.
Das Folgejahr DE Base 2028 vollzieht eine sehr ähnliche, wenn auch abgefedert wirkende Entwicklung. Am 4. Februar erreicht der Kontrakt bei 77,93 €/MWh sein Monatshoch, gerät danach in den Abwärtssog und rutscht bis zum 16. Februar auf 71,42 €/MWh ab. Zum Monatsende schließt Cal 28 bei 72,83 €/MWh, bevor auch hier der Preisanstieg die Notierung auf über 76 €/MWh hebt.
Nahost-Eskalation überlagert milde Wetterprognosen
Gaskurse Deutschland für Lieferung in den kommenden Jahren
(Quelle: ISPEX Kompass, Kurse: EEX)
Das Frontjahr THE 2027 startet ruhig in den Februar. Stabilisiert durch Aussagen des US-Präsidenten über mögliche ernsthafte Gespräche mit dem Iran sowie anhaltend milde Wetterprognosen des ECMWF pendelt die Notierung in der ersten Monatshälfte seitwärts.
Am 17. Februar markiert der Kontrakt mit 27,88 €/MWh sein vorläufiges Monatstief, nachdem erneute Mittelfristprognosen ein baldiges Winterende nahelegen. Doch die geopolitische Lage im Nahen Osten spitzt sich zeitgleich spürbar zu: Iranische Militärübungen in der Straße von Hormus sowie Berichte, dass US-Militärschläge immer wahrscheinlicher werden, treiben die Notierung bereits am 19. Februar auf ein Zwischenhoch von 29,47 €/MWh.
Zum Monatsende beendet THE 2027 den Handel bei 28,93 €/MWh, bevor die Ereignisse am letzten Februarwochenende den Markt stark belasten. Die massiven Luftschläge der USA und Israels auf den Iran und die anschließende Sperrung der Straße von Hormus beschleunigen den Aufwärtstrend Anfang März. Der Stopp der katarischen LNG-Produktion aufgrund von Drohnenangriffen am 2. März schiebt THE 2027 anschließend bis auf 41,15 €/MWh am 9. März.
Das Folgejahr THE 2028 zeigt sich im Februar zunächst unbeeindruckt von den aktuellen Ereignissen. Der Kontrakt bewegt sich in einem engen Band, startet bei 25,16 €/MWh am 2. Februar und fällt bis zum 10. Februar auf sein Tief bei 24,56 €/MWh. Selbst der kurzfristige Ausschlag Mitte des Monats verpufft weitgehend. Erst die starke Zuspitzung der Iran-Krise Ende Februar erfasst schließlich auch das lange Ende der Terminkurve und hebt THE 2028 zuletzt auf über 28,60 €/MWh.
Nahost-Krise und politischer Ausverkauf am CO2-Markt
Zwei gegensätzliche, aber gleichermaßen richtungsweisende Entwicklungen dominieren den Energiemarkt im Februar: Der politisch bedingte Preisverfall der EU-Emissionsrechte auf der einen und die massive Eskalation der geopolitischen Lage im Nahen Osten auf der anderen Seite.
Während die CO2-Preise im Vorjahr noch als stetiger Preistreiber gelten, erlebt der EUA-Markt im Februar einen massiven Ausverkauf. Bereits am 5. Februar bricht der Leitkontrakt Dez 2026 regelrecht ein, nachdem die EU-Kommission andeutet, die Industrie im Rahmen einer ETS-Reform stärker unterstützen zu wollen – möglicherweise durch die Verteilung zusätzlicher Zertifikate aus der Marktstabilitätsreserve oder dem CSCF-Puffer.
Terminkurse für EU-Emissionsrechte
(ETS1, Quelle: ISPEX Kompass, Kurse: EEX)
Dieser Vorstoß markiert jedoch nur den Auftakt einer breiteren politischen Debatte: Mitte Februar fordert der deutsche Bundeskanzler auf einem Industriegipfel in Antwerpen offen eine Revision oder gar „Verzögerung“ des ETS1. Die Märkte reagieren prompt und schicken die EUA-Notierung am 16. Februar auf ihr Monatstief von 69,16 €/t – ein drastischer Verlust von fast 17 % seit Monatsbeginn. Flankiert von Forderungen des Wirtschaftsverbands „BusinessEurope“ und zehn EU-Mitgliedstaaten – der sogenannten „Freunde der Industrie“ – festigt sich das Bild, dass das ETS politisch entschärft werden soll, um die industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu stützen. Diese Schwäche dämpft bis zuletzt die Strompreise.
Überlagert wird diese Entwicklung am Monatsende jedoch durch die Ereignisse im Nahen Osten. Was sich im Monatsverlauf mit iranischen Militärübungen in der Straße von Hormus und der Verlegung weiterer US-Flugzeugträger ankündigt, gipfelt in umfassenden Luftschlägen der USA und Israels auf den Iran, bei denen weite Teile der iranischen Führung getötet werden.
Die unmittelbare Antwort Teherans – Angriffe auf Israel sowie die Golfstaaten und die Sperrung der Straße von Hormus – bringt den internationalen Schiffsverkehr in der Region zum Erliegen. Als in der Folge Katar seine zentrale LNG-Produktion in Ras Laffan aufgrund von Drohnenangriffen stoppen muss, materialisiert sich ein gravierendes Risiko für die globalen Gasmärkte. Die Sorge vor einem langanhaltenden Ausfall der katarischen Lieferungen treibt die Gas- und Stromnotierungen zum Monatswechsel stark in die Höhe – das betrifft besonders die Kurse für das laufende Jahr.
Rechnerischer Strompreis für die Zeit von Frontmonat bis Jahresende 2026
(Quelle: ISPEX Kompass, Kurse: EEX)
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