Energiemarkt-Kommentar: Starker Wettbewerb um Gewerbe- und Industriekunden

Die Rahmenbedingungen für den Einkauf von Strom und Gas verbesserten sich im März für Kunden aus Gewerbe und Industrie. Sowohl die im März durchschnittlich erzielten Konditionen als auch die aktuellen Rahmenbedingungen kommen den Unternehmen entgegen. Das Preisniveau ist aktuell nochmals gesunken und Lieferanten sind gegenwärtig auf der Suche nach Kunden.

ISPEX-Energiepreisindex: Stabiles Strompreisniveau für Gewerbe und Industrie

Die im Februar leicht gestiegenen Strompreise für Kunden aus Gewerbe und Industrie sind im März wieder in etwa auf das Januarniveau gesunken. Der Durchschnittswert fiel im März von 3,38 ct/kWh kommend auf 3,20 ct/kWh.

Strompreisindex März 2017

Die Strompreise pendelten sich im bisherigen Jahresverlauf auf ein Level ein, das zwar unter den Durchschnittspreisen im November und Dezember aber doch deutlich über dem des Vergleichsquartals im Vorjahr lag. Das veranlasste viele Unternehmen, mit dem Abschluss neuer Stromlieferverträge noch etwas zu warten. Mit dem stabilen Niveau scheint jedoch die Hoffnung auf wieder niedrigere Preise der Befürchtung gewichen zu sein, der Preis könnte wieder dem steigenden Trend des vergangenen Jahres folgen. Deshalb ist aktuell eine erhöhte Nachfrage am Beschaffungsmarkt zu beobachten. Daraus sollte aber nicht automatisch gefolgert werden, dass diese höhere Nachfrage zu höheren Preisen führt. Das Preisniveau wird vielmehr vom Handel an den Großhandelsplätzen und Börsen beeinflusst und die Preise dort reagieren in erster Linie auf andere Gegebenheiten.

Tatsächlich darf die Beschaffungssituation für Unternehmenskunden derzeit als gut bezeichnet werden. Insbesondere ist zu beobachten, dass Lieferanten geradezu auf Kundenanfragen warten und die Beteiligung bei Ausschreibungen außergewöhnlich hoch ist. Gerade bei Online-Ausschreibungen und Auktionen ist zu verzeichnen, dass Lieferanten derzeit besonders aktiv sind und hoher Wettbewerbsdruck zwischen den Lieferanten herrscht. Das sollten Kunden derzeit ausnutzen und über Online-Plattformen Ausschreibungen – im Idealfall im offenen Auktionsverfahren mit laufender Auswertung der abgegebenen Angebote – durchführen. Mehr dazu unter Energiebeschaffung.

Strompreise mit geringer Schwankung im ersten Quartal

Der stete Aufwärtstrend der Strompreise im Februar kehrte sich im März zunächst um. Wie vermutet gaben die Kurse die Zugewinne des Vormonats zunächst wieder ab, bevor sie in der letzten Märzwoche wieder deutlich anzogen.

Entwicklung der Großhandelspreise für Strom

Preischart Strom 2017 März

Über das erste Quartal hinweg ist kein klarer Preistrend erkennbar. Die Kursschwankungen fallen jedoch im Vergleich zum sehr volatilen Jahr 2016 bislang noch verhalten aus. Größeren Einfluss als die Auf- und Abbewegung der Börsenpreise haben derzeit die Lieferfristen. Lieferungen für das Frontjahr 2018 notierten auch im März derzeit deutlich über den Lieferjahren 2019 und 2020. Den Strommärkten fehlen derzeit nachhaltig wirkende Impulse in die eine oder andere Richtung. Umso mehr Bedeutung kommt der steten Marktbeobachtung zu, da jedes Zeichen sofort in Preisänderungen mündet und auch erhebliche Schwankungen auslösen könnte.

Ein solcher Impuls entstand Ende März durch die Entwicklung der Kohlepreise auf dem Weltmarkt. Ausgelöst durch einen nicht kurzfristigen Preisschub im australischen Newcastle aufgrund der dortigen Wetterlage im pazifischen Raum zogen die Preise auch an den anderen bedeutenden Kohlehandelsplätzen an – und das obwohl die Wetterschäden niedriger ausfielen als zuvor erwartet. Folge des Preisausschlags nach oben war ein sofortiger Anstieg der Strompreise. Von nervösen Märkten zu sprechen, wäre wohl zu viel, aber die Händler quittieren jede Änderung der gängigen Indikatoren sofort mit entsprechenden Handelsbewegungen.

Für einen weiteren Anstieg der Strompreise aus sich selbst heraus bestehen derzeit keine eindeutigen Anzeichen. Lediglich eine Stabilisierung des Kohlepreises bei einem leichten Aufwärtstrend erscheint bei der Interpretation der Marktindikatoren wahrscheinlich. Dadurch würde auch der Strompreis gestützt. Dieser könnte sich deshalb im April stärker als noch in der ersten Märzhälfte darstellen, wenngleich ein dauerhafter Anstieg auf die Höhen der letzten Märzwoche wenig wahrscheinlich ist.

ISPEX-Energiepreisindex: Niedrigeres Preisniveau bei Gas zu erwarten

Das Preisniveau bei den Abschlüssen der Gaslieferverträge ist im März wieder auf den Januarwert gesunken. Der von ISPEX ermittelte Durchschnittspreis im März fiel von zuvor 1,84 ct/kWh nunmehr wieder auf die 1,75 ct/kWh des Januars.

Gaspreisindex März 2017

Der gesunkene Durchschnittswert verdeutlicht allerdings nur ansatzweise das mittlerweile wieder etwas tiefere Preisniveau. Der Beschaffungspreis für Lieferanten an den Handelsplätzen fiel im Monatsverlauf spürbar und lag am Ende des Monats deutlich unter demjenigen zu Beginn des Monats oder gar des übrigen Jahres. Die aktuell gehandelten Gaslieferverträge dürften deshalb ein nochmals gesunkenes Preisniveau abbilden, das den Durchschnittswert senkt.

Was für den Abschluss neuer Stromlieferverträge gesagt wurde, gilt derzeit nahezu unverändert für die Beschaffung von Gas. Aufgrund des höheren Preisniveaus als zu Beginn des letzten Jahres zögerten viele Unternehmen mit dem Abschluss neuer Lieferverträge. Da das Preisniveau Ende Februar zu sinken begann und sich im März weiter fallend verhielt, handeln immer mehr Unternehmen die Gaslieferverträge neu aus. Bei den Lieferanten laufen sie damit auf einem nahezu leer gefegten Großkundenmarkt offene Türen ein. Die Beteiligung bei Ausschreibungen ist bei Gas derzeit sehr gut, wobei erstaunliche Preisunterschiede zwischen den Lieferanten zu beobachten sind. Unbedingt sollte deshalb eine Ausschreibung möglichst im offenen Verfahren durchgeführt und nicht nur mit dem bestehenden Lieferanten nachverhandelt werden.

Stark schwankende Gaspreise an Börsen

Der Gaspreis setzte seine in der letzten Februarwoche begonnene Abwärtsbewegung zunächst fort und startete somit deutlich fallend in den Monat. In der letzten Monatswoche drehte er allerdings und verzeichnete wieder kräftige Kursgewinne.

Entwicklung der Großhandelspreise für Erdgas

Preischart Gas 2017 März

Ausschlaggebend für die Kehrtwende beim Gaspreis dürften die jüngsten Entwicklungen am weltweiten Öl- und Kohlemarkt sein. Beide Märkte sendeten beeinflussende Signale für den Gaspreis. Der Ölpreis gab zu Monatsbeginn unvermittelt nach. Von dem seit Januar stabilen Preisniveau bei etwas über 55 USD/Barrel sackte der Preis für die Sorte Brent auf fast 52 USD/Barrel. Ebenso unvermittelt jedoch stieg der Kurs dann Ende des Monats wieder und schob den Gaspreis an. Dieses wurde verstärkt, als der Kohlepreis wie erwähnt vor allem in Australien kletterte. Zusammen mit einem schwächeren Angebot an Gasmengen aufgrund aktueller Lieferausfälle aus Norwegen stieg der Sportmarkt wieder über den Terminmarkt und zog diesen schließlich mit nach oben.

Dass sich der Ende März einsetzende kräftige Kursanstieg im selben Ausmaß dauerhaft fortsetzt, ist kaum zu erwarten. Bereits die ersten Tage im April zeigten einen verlangsamten Anstieg. Allerdings könnten neueste Meldungen, dass die Verringerung der Gaslieferungen aus Norwegen wohl noch bis Ende der Woche anhält, für weitere kurzfristige Preissteigerungen sorgen. Für fortdauernd starke Kursanstiege fehlen jedoch die Anzeichen. Eine Stabilisierung oder weitere Preissteigerungen in etwas abgeschwächter Form erscheinen aber durchaus möglich. Gerade Unternehmen mit offenen Rahmenverträgen, die flexibel bewirtschaftet werden, sollten derzeit über den Kauf zumindest einer Tranche nachdenken. Damit kann die Chance des gefallenen Preisniveaus realisiert werden, ohne das Risiko einzugehen, dass im Laufe des Jahres eventuell nochmals kräftige Preissenkungen nicht mehr zu nutzen sind. Auf diese Weise kann das Beschaffungsrisiko adäquat verteilt werden. (vgl. dazu auch Energiebeschaffung).

 

Haftungsausschluss

Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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Dr. Stefan Arnold

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