Energiemarkt-Kommentar: Strompreise für Unternehmen im Mai kaum verändert, Gas legt zu

ISPEX Energiemarkt Kommentar Juni 2019

Das Marktpreisniveau bei der Strombeschaffung für die gewerblichen Verbraucher in Deutschland war im Mai weitgehend stabil. Der ISPEX Strompreisindex verzeichnet gegenüber dem Vormonat nur einen geringfügigen Rückgang um 0,7% auf 5,202 ct/kWh. Im Gegensatz dazu haben sich die Beschaffungspreise für Erdgas im Mai verschlechtert. Der ISPEX Gaspreisindex steigt um 3,7% und liegt jetzt bei 2,129 ct/kWh.

An den Terminmärkten sind die Großhandelspreise für Strom und Erdgas zum Ende des Monats Mai deutlich unter Druck geraten. Die aktuellen Fundamentaldaten legen nahe, dass noch Potential für weiter fallende Preise vorhanden ist.

Börsenpreise für Strom geben nach

Die Börsenpreise für Strom zeigten sich im Mai zunächst weitgehend stabil. Nach einem kurzen Zwischenhoch in der zweiten Maiwoche mit einem Maximalwert von 49,63 €/MWh pendelten die Baseload-Notierungen für das Jahr 2020 für den Rest des Monats fast durchgängig zwischen 48,00 €/MWh und 49,00 €/MWh. In den letzten beiden Handelstagen gaben die Preise dann allerdings deutlich nach und fielen auf einen Wert von 46,91 €/MWh.

Im Monatsdurchschnitt lagen die Baseload-Preise für das Kalenderjahr 2020 bei 48,43 €/MWh und damit um 0,76 €/MWh niedriger als April. Die Preisentwicklung für das Jahr 2021 verlief weitgehend parallel. Hier gab die Baseload-Notierung durchschnittlich um 0,71 €/MWh nach, sodass die Preisdifferenz zwischen beiden Jahren nach wie vor ca. 1,50 €/MWh beträgt. Deutlich stabiler zeigte sich allerdings das Lieferjahr 2022, das gegenüber dem Vormonat lediglich um 0,21 €/MWh im Minus lag.

Entwicklung der Großhandelspreise für Strom

ISPEX Preischart Strom 2019 05

ISPEX Strompreisindex nahezu unverändert

Bei den Beschaffungspreisen für die Unternehmen war im Mai nur eine leichte Entlastung festzustellen. Der ISPEX Strompreisindex verliert gegenüber dem Vormonat 0,036 ct/kWh und notiert jetzt bei 5,202 ct/kWh. Hier bleibt abzuwarten, ob sich der Preisrückgang an den Börsen nun im Juni verstetigt und sich damit ein signifikant niedrigeres Preisniveau für die Unternehmen einstellt.

ISPEX Strompreisindex Mai-2019

Fallende Gaspreise zum Monatsende

Bei den Börsenpreisen für Erdgas war im Mai zunächst eine Seitwärtsbewegung zu beobachten. Die NCG-Notierungen für das Jahr 2020 bewegten sich in einem relativ engen Korridor um die Marke von 20,00 €/MWh. Wie auch am Strommarkt stellte sich dann zum Monatsende eine recht deutliche Abwärtsbewegung ein. An den letzten beiden Handelstagen gab das Kalenderjahr 2020 um knapp 1,00 €/MWh nach und schloss am letzten Handelstag knapp unter 19,00 €/MWh.

Im Monatsmittel lag der NCG-Preis für das Kalenderjahr 2020 bei 19,85 €/MWh und damit 0,51 €/MWh unter dem Wert des Vormonats. Auch die Jahre 2021 und 2022 zeigten sich insgesamt rückläufig, blieben mit Verlusten von durchschnittlich 0,41 €/MWh bzw. 0,37 €/MWh aber etwas stabiler als das Frontjahr.

Entwicklung der Großhandelspreise für Erdgas

ISPEX Preischart Gas 2019 05

ISPEX Gaspreisindex: Spürbare Verteuerung für Unternehmen

Die positive Tendenz bei den Börsenpreisen hatte für die Unternehmen im Mai noch keine Auswirkungen. Mit einem Wert von 2,129 ct/kWh liegt der ISPEX Gaspreisindex sogar noch um 0,075 ct/kWh bzw. 3,7% höher als im April.

ISPEX Gaspreisindex Mai-2019

Strom– und Gaspreise weiterhin eher fallend als steigend prognostiziert

Im Laufe der ersten Juniwoche haben die Börsenpreise für Strom wieder leicht zugelegt und einen Teil der Verluste vom Monatswechsel wieder ausgeglichen. Die Gaspreise für die Jahre 2020 und 2021 konnten das Niveau von Ende Mai dagegen weitgehend halten und bewegen sich weiterhin in der Größenordnung von 19,00 €/MWh. Etwas abweichend stellt sich die Situation für das Jahr 2022 dar; sowohl bei Gas als auch Strom zeigen sich die Preise hier zuletzt stabiler als für die beiden Frontjahre.

Die Fundamentaldaten auf Angebots- ebenso wie auf Nachfrageseite sprechen weiterhin für eher fallende Kurse. So haben sich Ende Mai nicht nur Strom- und Gaspreise auf Talfahrt begeben, zusätzlich gaben die Öl-, Kohle- und CO2-Preise stark nach. Auslöser scheint einmal mehr die Politik des US-Präsidenten, die für pessimistische Erwartungen im Hinblick auf die weltweite Konjunkturentwicklung sorgt.

Durch den Rücktritt der britischen Premierministerin rückt das Szenario eines „harten Brexit“ wieder verstärkt in den Blickpunkt und sorgt für Unsicherheit im Hinblick auf die weitere Entwicklung im CO2-Handel. Die wesentlichen Preisrisiken dürften allerdings in diesem Fall von einer schwächelnden Weltkonjunktur und dem damit verbundenen geringeren Bedarf an CO2-Emissionsrechten ausgehen.

Wer am Horizont nach Gründen für steigende Preise sucht, wird am ehesten in der Politik fündig. Im Kontext der Klimadebatte wird die Forderung nach einem CO2-Mindestpreis im Rahmen des Zertifikatehandels lauter und Presseberichten zufolge zieht die Bundesregierung eine solche Maßnahme in Betracht. Deren Wirkung auf die Strompreise hinge freilich von der genauen Umsetzung ab.

An den Gasmärkten wird derzeit diskutiert, inwieweit die Verhandlungen um einen neuen Transitvertrag zwischen Russland und der Ukraine zu Engpässen führen könnten. Da der aktuelle Vertrag zum Ende dieses Jahres ausläuft und die neue Gaspipeline Nord Stream 2 voraussichtlich nicht rechtzeitig fertiggestellt wird, könnte hier mittelfristig eine Verknappung der landgebundenen Gasversorgung drohen. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Flüssiggas für den europäischen Gasmarkt und der hohen Reserven dürfte das Preisrisiko aber wohl überschaubar sein.

Sofern sich die Hoffnungen auf ein fallendes Marktpreisniveau bestätigen, könnte sich für zahlreiche Unternehmen in der nächsten Zeit ein interessantes Zeitfenster für die Strom- und Erdgasbeschaffung einstellen. ISPEX berät seine Kunden im Hinblick auf mögliche Beschaffungsstrategien und übernimmt die laufende Marktbeobachtung. Mit Hilfe der spezialisierten Systeme von ISPEX lassen sich lassen sich Beschaffungsprojekte schnell, effizient und unter Ausnutzung des größtmöglichen Wettbewerbs umsetzen.

Haftungsausschluss

Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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Andreas Seegers

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