Energiemarkt-Kommentar: Strom und Gas mit unterschiedlicher Tendenz

ISPEX Energiemarkt Kommentar Juli Beitragsbild

Im Juni erhielten Unternehmen Gas etwas günstiger, Strom hingegen wurde teurer angeboten als noch im Mai. Vor allem die Gaspreise bewegen sich seit Jahresbeginn in einem engen Korridor, erreichten im Juni aber Jahrestiefstwerte. Beim Strom lag das kommende Lieferjahr 2018 über den folgenden und sorgte für höhere Preise.

ISPEX-Energiepreisindex: Strompreise wieder auf April-Niveau

Die im Juni angebotenen Strompreise lagen über den im Mai erhältlichen Konditionen. Das durchschnittliche Angebot erreichte für Unternehmen 3,31 ct/kWh und damit wieder in etwa den Aprilwert. Der Mai unterschritt diesen Wert zwischenzeitlich mit 3,08 ct/kWh etwas.

ISPEX Strompreisindex Juni-2017

Die Angebotspreise sind direkte Folge der aktuellen Börsenpreise für Strom, vgl. dazu unten. Während im Mai die Preise zu Beginn noch auf einem attraktiv niedrigen Niveau lagen und Unternehmen diese Situation nutzen konnten, verharrten sie im Juni auf einem gleichbleibend höheren Niveau. Auffällig ist, dass vor allem diejenigen Stromkunden höhere Preise hinnehmen müssen, die noch einen Liefervertrag für das kommende Lieferjahr 2018 abschließen mussten.

Anders als im letzten Jahr wird das sogenannte Frontjahr aktuell höher gehandelt als die weiter entfernten Lieferjahre 2019 und 2020. Das führt auch dazu, dass die Energielieferverträge für das Jahr 2018 höhere Preise enthalten. Unternehmen, die die Strategie verfolgen, jeweils nur für das folgende Jahr einzukaufen, sahen sich letztes Jahr in ihrer Strategie bestätigt. Derzeit bezahlen sie aber höhere Preise als bei Verträgen, die (auch) die entfernteren Jahre abbilden. Dennoch – eine allgemein „richtige“ oder „falsche“ Strategie gibt es nicht. Angezeigt ist nach wie vor ein Abgleich mit der allgemeinen Unternehmensstrategie sowie die laufende Beobachtung der Märkte, um ein für das jeweilige Unternehmen optimales Ergebnis zu erzielen (mehr dazu unter Energiebeschaffung).

Strompreis den ganzen Monat auf gleichbleibend höherem Niveau

Die Stromnotierungen an den Energiebörsen hielten sich im Juni auf einem durchgehend höheren Niveau. Die Ende Mai erreichten Preise setzten sich fort und legten in Teilen sogar etwas zu.

Entwicklung der Großhandelspreise für Strom

ISPEX Preischart Strom 2017 06

Die Preise für die Lieferjahre 2019 und 2020 bewegten sich den gesamten Monat über in etwa auf dem Ende Mai erreichten Preisniveau. Etwas anders das Lieferjahr 2018 – dieses hielt nicht nur den Status Quo, sondern stieg den Monat über weiter an und liegt mittlerweile sehr deutlich über den anderen Lieferfristen. Damit unterscheidet sich die Situation grundlegend von der des Vorjahres, als zur selben Jahreszeit das Frontjahr in etwa gleichauf mit den nächsten Lieferjahren lag und das damals noch sehr weit entfernte Jahr 2020 die anderen deutlich überragte.

Wie so oft in letzter Zeit fehlt es am Energiemarkt mit Blickwinkel auf globale Einflüsse an Signalen für deutliche steigende oder fallende Preise. Der Kohlepreis als wichtiger Indikator stagniert derzeit. Die weltweite Nachfrage- und Angebotssituation gleicht sich im Wesentlichen aus und verspricht weder Bewegung in die eine noch in die andere Richtung. Ein Einflussfaktor für den Strompreis ist der Rohölpreis. Der Preisverfall nach dem enttäuschenden Ergebnis der OPEC-Tagung zu Förderbeschränkungen hielt im Juni weiter an. Erst in den letzten Tagen war wieder eine Trendumkehr erkennbar. Setzt sich diese fort, könnte sie den Strompreis wieder stützen.

Am wahrscheinlichsten dürfte nach alledem eine Fortsetzung der Strompreisbewegung sein. Insgesamt sollten sich die Preise seitwärts – aber fester – also mit einer leichten Aufwärtstendenz, entwickeln.

ISPEX-Energiepreisindex: Gas wird für Unternehmen etwas günstiger

Als Unternehmen erhielt man im Juni leicht bessere Angebote zur Belieferung von Gas als im Mai. Der von ISPEX ermittelte Durchschnittswert fiel um 0,04 ct/kWh auf 1,72 ct/kWh.

ISPEX Gaspreisindex Juni-2017

Der nunmehr erreichte Wert stellt den bisher niedrigsten des laufenden Jahres dar. Insgesamt zeichnen die Preise aber seit Jahresbeginn einen sehr stabilen Kurs innerhalb eines engen Korridors.

Vergleicht man diesen mit der Entwicklung der Großhandelspreise, scheint der Endkundenmarkt die gefallenen Börsenpreise nur bedingt aufgegriffen zu haben. Dort zeichnet der Kurs eine deutliche Abwärtsbewegung (vgl. dazu unten). In absoluten Zahlen ist die Veränderung sehr gut nachvollziehbar. Auf dem Terminmarkt lag der Durchschnittswert für die künftigen Lieferjahre in etwa 50 Cent je Megawattstunde unter den Maiwerten. Umgerechnet auf die Kilowattstunde liegt man mit 0,05 ct je Kilowattstunde sehr nah bei den gerundeten 0,04 ct des ermittelten Energiepreisindex.

Anders als bei den Strompreisen liegen die Preise für die kommenden Lieferjahre eng beieinander. Lediglich das entferntere Jahr 2020 notiert zeitweise unter den früheren Lieferjahren. Die Entscheidung beim Gaseinkauf kann derzeit also etwas unabhängiger als beim Strom bezüglich der zu beschaffenden Lieferjahre erfolgen.

Erdgas im Großhandel mit nachgebenden Preisen

Wie bereits erwähnt folgten die Endkundenpreise bei ihrer Entwicklung nahezu exakt den Großhandelspreisen für Erdgas. Auch diese gaben den Monat über nach, zogen dann aber in den letzten Tagen wieder etwas an.

Entwicklung der Großhandelspreise für Erdgas

ISPEX Preischart Gas 2017 06

Im Großen und Ganzen schreibt die Entwicklung im Juni die Anfang des Jahres begonnene Preisbewegung fort. Die Preise fallen seit Monaten kontinuierlich in einem überschaubaren Korridor. Damit entwickelten sich die Großmarktpreise wie erwartet.

Aktuell wird die eher fallende Tendenz von den nachgebenden Ölpreisen unterstützt. Der Zusammenhang zwischen den Energieträgern zeigte sich in den letzten Junitagen und den ersten Tagen im Juli, als die Ölpreise wieder etwas zulegten und die Gaspreise diese Aufwärtsbewegung auf der Stelle nachzeichneten.

Etwas Stabilisierung könnte für die kommenden Wochen die aktuelle Situation in Großbritannien bringen. Dort zogen die Gaspreise jüngst deutlich an, was regelmäßig Auswirkung auf die kontinentalen Notierungen hat. Auch die stabile Situation der Kohlepreise könnte eine Stütze für den Gaspreis bedeuten.

Dass die Gaspreise auf den jüngsten Ausschlag der Rohölpreise nach oben reagierten und ebenfalls anstiegen, bedeutet nicht unbedingt eine Stabilisierung der Gaspreise. Auch wenn genau das von Teilen des Marktes erwartet wird, spricht einiges gegen weiter fallende Preise. Gerade die hohe Bindungswirkung an den Ölpreis birgt die Gefahr, dass ein fallender Ölpreis die Gaspreise mit nach unten zieht. Tatsächlich fehlen deutliche positive Vorzeichen für einen steigenden Ölpreis. Dieser dürfte in den kommenden Wochen weiter nachgeben und dann dazu führen, dass die Gaspreise eher fallen als sich zu stabilisieren oder gar den Anstieg der letzten Tage fortsetzen.

 

Haftungsausschluss

Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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Dr. Stefan Arnold

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