Energiemarkt-Kommentar: Entspannung auf Widerruf

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Die Terminmärkte für Strom und Erdgas geben Mitte Juni nach, getragen von vorsichtigem Optimismus rund um das Interimsabkommen zwischen USA und Iran. Doch die Entspannung bleibt brüchig: Wiederholte Angriffe auf Schiffe im Golf und stockende Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zeigen, dass der Markt keine nachhaltige Entwarnung einpreist. Der Angriff auf einen beladenen katarischen LNG-Tanker am frühen Morgen des 7. Juli unterstreicht einmal mehr, wie fragil die Lage bleibt.

Strom-Frontjahr gibt leicht nach

Stromkurse Deutschland für Lieferung in den kommenden Jahren
(Quelle: ISPEX Kompass, Daten: EEX)

DE Base 2027 startet bei 95,69 €/MWh in den Juni und erreicht am 11. Juni mit 96,01 €/MWh das Monatshoch. Der Anstieg fällt mit der Zuspitzung der Lage am Golf zusammen, als US-Streitkräfte iranische Raketen abfangen und EDF in Frankreich vor hitzebedingten Produktionseinschränkungen am Kernkraftwerk Saint-Alban warnt.

Anschließend gibt die Notierung schrittweise nach und markiert am 26. Juni mit 91,93 €/MWh den tiefsten Stand seit mehr als vier Wochen. Das Interimsabkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus drückt auch die Strompreise, da Gas über die Grenzkosten der thermischen Erzeugung den Terminmarkt prägt. Zum Monatsende arbeitet sich der Future wieder nach oben und schließt am 6. Juli bei 94,25 €/MWh.

Über den gesamten Zeitraum ergibt sich ein Rückgang von 1,44 €/MWh oder 1,5 %. Das Folgejahr DE Base 2028 bewegt sich in einer engen Spanne zwischen 80,24 und 82,00 €/MWh und schließt nahezu unverändert bei 81,76 €/MWh. Der Abstand zwischen Front- und Folgejahr bleibt mit rund 12 bis 13 €/MWh ausgeprägt.

Gas-Frontjahr korrigiert nach Interimsabkommen

Gaskurse Deutschland für Lieferung in den kommenden Jahren
(Quelle: ISPEX Kompass, Daten: EEX)

THE 2027 eröffnet den Juni bei 39,20 €/MWh und steigt zunächst weiter, begleitet von anhaltenden Kämpfen zwischen den USA und dem Iran sowie einem Bericht über abgebrochene Gespräche. Am 2. Juni beginnen zudem Arbeiter der Ichthys-LNG-Anlage in Australien einen Streik, was für zusätzliche Anspannung am Markt sorgt. Am 11. Juni erreicht die Notierung mit 39,92 €/MWh das Hoch des Betrachtungszeitraums – am selben Tag warnt EDF in Frankreich vor hitzebedingten Produktionseinschränkungen am Kernkraftwerk Saint-Alban, und drei weitere LNG-Tanker passieren mit abgeschalteten Transpondern die Straße von Hormus.

Die Ankündigung eines möglichen Friedensabkommens durch US-Präsident Trump am 12. Juni leitet eine Korrektur ein. Das Interimsabkommen vom 15. Juni zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus drückt die Notierung weiter. Parallel einigen sich die australischen Gewerkschaften und Inpex auf ein Ende des Streiks. Am 26. Juni markiert THE 2027 mit 35,41 €/MWh das Tief, nachdem ein Angriff auf ein Containerschiff am Vortag zunächst nur begrenzte Wirkung zeigt – ein größerer Preisanstieg bleibt aus. Ende Juni flammen die Spannungen allerdings erneut auf: Nach gegenseitigen Angriffen im Golf werfen sich Iran und USA Vertragsbruch vor, ein Streik in Norwegen droht überdies Teile der dortigen Öl- & Gasförderung zu unterbrechen.

Zum Monatsende stabilisiert sich der Future im Umfeld neuer Entspannungssignale – die Gespräche USA-Iran werden in Doha fortgesetzt, der Schiffsverkehr durch Hormus erholt sich etwas – THE 2027 schließt am 6. Juli bei 36,58 €/MWh. Seit dem 1. Juni ergibt sich damit ein Rückgang von 2,62 €/MWh oder 6,7 %. Das Folgejahr THE 2028 gibt ebenfalls nach und schließt bei 28,77 €/MWh, ein Minus von 4,2 %.

Hormus: Gas bleibt verwundbar, Öl hingegen kaum

Relative Performance: Gas vs. Rohöl
(Quelle: ISPEX Kompass, Daten: EEX, ICE)

Ein Angriff auf die Al Rekayyat am frühen Morgen des 7. Juli trifft einen beladenen LNG-Tanker auf dem Weg aus dem Persischen Golf. Das Schiff wird etwa 8 Seemeilen östlich der omanischen Küste von einer Rakete oder Drohne getroffen – an Bord bricht ein Feuer aus (Quelle: Axios). Der europäische Leitkontrakt, der TTF-Frontmonat, reagiert im Frühhandel mit einem Anstieg von bis zu 5,6 % im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages.

Brent hingegen legt nur relativ geringfügig zu (+1,8 %). Denn der Ölmarkt hat die Unsicherheit rund um die Meerenge weitgehend verdaut. Saudi-Arabiens Exporte erreichen mit 6,3 Millionen Barrel pro Tag fast wieder Normalniveau, die OPEC+ weitet ihre Förderung aus, und alternative Routen über Pipelines zum Roten Meer stehen bereit. Seit dem Tag vor Kriegsbeginn am 27. Februar hat Brent zwar zwischenzeitlich um bis zu 63 % zugelegt, notiert zuletzt aber wieder auf Vorkriegsniveau. Der Gas-Frontmonat (THE M+1) hingegen liegt noch immer rund 38 % höher.

Der Unterschied erklärt sich aus der Infrastruktur. Rohöl kann teilweise über Pipelines an der Meerenge vorbeigeführt werden, Tankerrouten lassen sich anpassen, und die globalen Lagerbestände federn Engpässe ab. LNG ist an Verflüssigungsanlagen, Spezialschiffe und Regasifizierungsterminals gebunden. Fällt eine Anlage aus oder wird eine Route unsicher, gibt es weniger Ausweichmöglichkeiten. Europa konkurriert zudem mit Asien um dieselben Spotmengen – und die europäischen Speicher liegen mit rund 50 % deutlich unter dem saisonalen Normwert. Katar arbeitet derweil daran, seine LNG-Produktion wieder hochzufahren. Die Inbetriebnahme von Train 2 der South-Anlage von Ras Laffan läuft, weitere Tanker haben in den vergangenen Wochen die Meerenge passiert. Doch der Angriff auf die Al Rekayyat trifft genau diese Bemühungen: Das Schiff wurde erst Anfang Juli beladen. Ein weiterer Tanker, die Al Areesh, drehte nach dem Angriff offenbar ab, wie die Agentur Bloomberg meldet.

Der Schiffsverkehr bleibt fragmentiert. Der größere Teil der Passagen nutzt zuletzt die von Iran kontrollierte Nordroute durch Hormus, nur ein Bruchteil die US-geführte Route entlang der omanischen Küste. Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran ruhen aktuell wegen der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Revolutionsführer Khamenei. Ein umfassendes sowie dauerhaftes Abkommen ist weiterhin nicht in Sicht – und jeder neue Zwischenfall kann die vorsichtige Entspannung der vergangenen Wochen zunichtemachen.

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Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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