Energiemarkt-Kommentar: Energiepreise steigen im August erwartungsgemäß

ISPEX Energiemarkt-Kommentar 09 2017

Wie bereits im Vormonat erwartet, sind im August vor allem die Strompreise deutlich gestiegen. Sowohl die Börsenpreise als auch die Einkaufskonditionen für Unternehmen zogen teils kräftig an. Die Gaspreise zeigten sich fester und beendeten zumindest vorerst ihren fallenden Preistrend. Während beim Strom noch kein Ende in Sicht ist, setzen die Energiemarktexperten vor die weitere Gaspreisentwicklung ein Fragezeichen.

Strompreise ziehen an den Börsen kräftig an

Nach den seit Monaten kontinuierlich leicht steigenden Preisen, zog der Strompreis an den Börsen gleich zu Beginn des Monats kräftig an.

Entwicklung der Großhandelspreise für Strom

ISPEX Preischart Strom 2017 08

Die aktuellen Preise liegen nach dem Anstieg nahezu auf dem Preisniveau der ersten Hälfte des Jahres 2015. Damals setzte im August eine Talfahrt ein, die sich bis in den März 2016 fortsetzte. Seit der Trendwende in jenem März steigen die Preise, abgesehen von kurzen fallenden Phasen, und erreichten nunmehr ihren vorläufigen Höhepunkt.

Die damalige Wende wurde durch ein Drehen der Kohlepreise von fallend zu steigend eingeläutet. Seither lieferte der Kohlepreis durch weltweit immer weiter steigende Notierungen Monat für Monat eine Unterstützung für die Strompreise. Als Folge davon stiegen die Preise für Strom immer weiter an.

Einen zusätzlichen Schub erhielten die Strompreise an den europäischen Strombörsen zur vergangenen Jahreswende. Damals mussten einige französische Kernkraftwerke unplanmäßig zu Wartungszwecken vom Netz genommen werden. Deshalb stiegen in diesem Zuge vor allem die Spotpreise schlagartig an, was dem gesamten Handel Auftrieb verlieh. Ein ähnliches Phänomen scheint sich dieser Tage zu wiederholen. Unregelmäßigkeiten bei der Dokumentation hinsichtlich einiger Bauteile in französischen Kernkraftwerken nähren die Spekulationen, dass die französische Aufsichtsbehörde erneut eine ungeplante Revision anordnen könnte. Die Folge wären erneut steigende Preise. Darauf hat der Markt bereits reagiert und vor allem die kurzfristigen Preise mit Aufschlägen versehen.

ISPEX-Energiepreisindex: Höhere Börsenpreise sorgen für teurere Stromlieferkonditionen

Die steigenden Börsenpreise sorgten im August dafür, dass Unternehmen schlechtere Konditionen mit höheren Strompreisen angeboten wurden. Der ermittelte Durchschnittspreis stieg von 3,31 ct/kWh im Vormonat auf 3,55 ct/kWh im August.

ISPEX Strompreisindex August-2017

Der starke Preisanstieg im August führte dazu, dass das Preisniveau gegenwärtig über demjenigen zu Beginn des letzten Monats liegt. Selbst wenn dieses sich nun auf diesem Level stabilisiert, dürfte das zu einem noch einmal gestiegenen Preisniveau für die Unternehmen führen. Denn aktuell sprechen die Gegebenheiten eher für noch weiter steigende Preise. Hinzu dürfte eine nach dem Ende der Sommerferien gestiegene Nachfrage und aufgrund deshalb erhöhten Nachfrageaufkommens bei den Energielieferanten zu einem geringeren Wettbewerbsverhalten führen. Alles Gründe, die zusammen mit den an den Börsen weiter steigenden Notierungen fortwährend kletternde Preise bereiten dürften.

Zu spüren bekommen die steigenden Preise zurzeit vor allem Kunden, die im Rahmen von Einkaufsgemeinschaften die aktuellen Börsenpreise direkt erhalten. Von Monat zu Monat mussten sie immer weiter steigende Preise hinnehmen. Soll hier der fortwährenden Verschlechterung der Einkaufkonditionen Einhalt geboten werden, bleibt nur der Wechsel zu alternativen Anbietern, die eine entsprechende Preisgarantie durch eine Fixierung der aktuellen Preise geben.

Ähnliches gilt für Unternehmen mit flexiblen Lieferverträgen. Hier muss zeitnah unbedingt geprüft werden, ob die Obergrenze des zur Verfügung stehenden Budgets erreicht wird. In diesem Fall muss unverzüglich gehandelt und die noch ausstehenden Mengen beschafft werden. (Mehr zu flexiblen Beschaffungsmodellen unter Energiebeschaffung).

Auch Erdgas vor der Trendwende zu steigenden Preisen?

Bereits im August stellte sich die Frage, ob die vergangene Phase fallender Preise ein Ende hat. Diese kann im Hinblick auf die Preisentwicklung der jeweiligen Lieferjahre nach wie vor nicht einheitlich beantwortet werden.

Entwicklung der Großhandelspreise für Erdgas

ISPEX Preischart Gas 2017 08

Tatsächlich stiegen die Preise für ganze Lieferjahre in der ersten Augusthälfte durchweg an. Sie bestätigten damit die Vermutung, dass auch die Gaspreise nun wieder steigen könnten. Erst in der Monatsmitte kam es zu einem Auseinanderdriften der Preise für die einzelnen Lieferjahre. Während die beiden Folgejahre 2018 und 2019 auf einem mehr oder weniger stabilen Niveau verharrten, gaben die entfernteren Jahre 2020 und 2021 wieder nach.

Vor allem die kurzfristigeren Preise wurden von starken Vorgaben des Spotmarkts beeinflusst. Die dort höheren Preise sorgten auch bei den Terminprodukten zu festeren Notierungen. Allerdings fehlte im August die Unterstützung durch die in den Vormonaten jeweils steigenden Rohölpreise. Diese verharrten im Schnitt auf einem gleichbleibenden Niveau. Darauf reagierten die Märkte mit der Erwartung eines künftig wieder fallenden Preises und im Zusammenhang damit mit nachgebenden Preisen für die entfernteren Lieferjahre.

ISPEX-Energiepreisindex: Bisher fallender Trend dreht zu steigenden Gaspreisen

Die ansteigende Tendenz der vergangenen Monate schlug im August nun auch auf die den Endkunden gebotenen Preise durch. Unternehmen erhielten im August Angebote von durchschnittlich 1,73 ct/kWh, was einen leichten Anstieg von 0,03 ct/kWh bedeutet.

ISPEX Gaspreisindex August-2017

Das aktuelle Preisniveau liegt zwar über demjenigen des Jahres 2016. Allerdings war im letzten Jahr Gas außerordentlich günstig und auf einem historischen Tiefstand. Die gegenwärtigen Preise können vor dem Hintergrund der Preise in den Jahren zuvor aber nach wie vor als günstig bezeichnet werden. Lediglich diejenigen Kunden, die zu den ganz besonders niedrigen Preisphasen des Vorjahres für nur ein Jahr abgeschlossen hatten, sind jetzt unter Zugzwang und müssen höhere Preise hinnehmen.

Unternehmen sehen sich bei der Gasbeschaffung momentan in einer recht komfortablen Situation. Einerseits kann das insgesamt nach wie vor niedrige Preisniveau genutzt werden, um sich weiter einzudecken. Andererseits besteht angesichts der jüngsten Entwicklung der Großhandelspreise auch kein Zugzwang. Denn von plötzlich stark steigenden Preisen ist kaum auszugehen. Die sinnvollste Empfehlung für Unternehmen ist angesichts der Situation wohl, sich mit einem kurz laufenden Vertrag einzudecken und den Markt weiter zu beobachten. Sollte der Markt Tendenzen zu weiter steigenden Preisen zeigen, kann dann sofort ein Folgevertrag für die nachfolgenden Lieferjahre abgeschlossen werden.

 

Haftungsausschluss

Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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Dr. Stefan Arnold

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