Energiemarkt-Kommentar: Hohe Anspannung trotz Kurskorrektur

ISPEX, Energiemarkt, Kommentar, Strom, Gas, Erdgas, November 2021

Auf die extreme Eskalation der Strom- und Gaspreise zu Beginn des Monats Oktober folgt zwar eine deutliche Abwärtsbewegung. Dennoch notieren die Kurse weiterhin auf einem historischen Rekordniveau. Auch die Volatilität der Terminkurse bleibt außerordentlich hoch und verdeutlicht, wie angespannt und unsicher die Lage im Energiesektor noch immer ist. Am 9. November beginnt Gazprom seine Speicher in Westeuropa langsam zu befüllen. Doch für eine grundlegende Trendwende an den Energiemärkten sind die Mengen bislang zu gering. Obendrein droht mit einer ersten Kältewelle sowie dem Konflikt zwischen Belarus und der EU neues Ungemach.

Strombörse: Grundlast für das Frontjahr hält sich oberhalb von 100 €/MWh

Preisentwicklung Strom Phelix Base und Peak für das Jahr 2022 (Quelle: EEX)

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In den ersten Oktobertagen setzt sich die Rallye aus dem September fort – die Kurse schießen exponentiell in die Höhe. Erdgas- und Steinkohlekurse treiben dabei den Strompreis an. Unmittelbarer Auslöser für die Rekordjagd ist der akute Energiemangel in China, der mit Stromausfällen in weiten Teilen des Landes einhergeht. Am 5. Oktober stellt der Strompreis für die Grundlast des Frontjahres mit 160,18 €/MWh (Base 2022) einen neuen Rekord auf. Signale des russischen Präsidenten, demnach Gazprom der schwierigen Lage in Europa abhelfen werde, lassen den Kurs in den Folgetagen bis auf 118,95 €/MWh fallen. Doch die Aussagen bleiben wenig konkret. Der globale Nachfrageüberhang nach Steinkohle verschärft die Lage zusätzlich. So legt Base 2022 bis zur Monatsmitte wieder bis auf 132,47 €/MWh zu. Infolge direkter Eingriffe des chinesischen Staates in den heimischen Kohlemarkt fallen in der zweiten Monatshälfte auch bei uns die Preise für Kohle, Erdgas und Strom. Base 2022 beendet den Monat mit 104,18 €/MWh.

Im Monatsmittel kostet der Terminkontrakt Base 2022 126,58 €/MWh, ein Anstieg um 24,3 % gegenüber dem Vormonat. Base 2023 legt um 9,4 % zu, die Notierung für das Jahr 2024 kostet 3,0 % mehr.

Gasbörse: Frontjahr steigt bis auf 66,10 €/MWh

Preisentwicklung Erdgas THE (NCG bis 30.09.21) für das Jahr 2022 (Quelle: EEX)

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Aufgrund der starken Bindung der Strompreise an die Entwicklung der Gaskurse ähnelt der Verlauf des Erdgaspreises für das Frontjahr (THE 2022) stark dem entsprechenden Strom-Future. Der Kontrakt startet mit 56,99 €/MWh in den Monat und erreicht das neue Allzeithoch von 66,10 €/MWh am 5. Oktober. Der folgende Einbruch bringt die Notierung binnen drei Tagen auf ein vorläufiges Minimum von 49,85 €/MWh. Anschließend steigt der Kurs zur Monatsmitte wieder bis auf 58,00 €/MWh. Der letzte Schlusskurs von THE 2022 im Monat Oktober beträgt 46,06 €/MWh.

Im Vergleich zum September legt THE 2022 im Oktober im Mittel um 33 % zu. THE 2023 kostet 24,5 % mehr, während sich THE 2024 um 15,4 % verteuert.

Ausblick: Früher Wintereinbruch in Europa trifft auf unsichere Gasversorgung

Seit Anfang November haben die Strompreise wieder spürbar zugelegt, wenn auch die Aufschläge gegenüber der Entwicklung in den Vormonaten vergleichsweise geringfügig wirken mögen. Base 2022 legt innerhalb der ersten drei Tage des neuen Monats um mehr als 12 €/MWh zu. Seitdem rangiert der Kurs zwischen knapp 110 €/MWh und 118,40 €/MWh in der Spitze. Hintergrund für den Preisanstieg bilden erneut die geringen Erdgasflüsse aus Russland. Der Erdgaskurs für das Frontjahr steigt von 45,16 €/MWh zu Monatsbeginn auf 50,90 €/MWh am 3. November und pendelt zuletzt im Intervall von rund 47 €/MWh und 50 €/MWh.

Die Hoffnungen der Marktteilnehmer auf höhere Gasmengen aus Russland richten sich zu Monatsbeginn auf die KW45. Denn es hatte von höchster Stelle in Russland geheißen, dass ab dieser Woche die Läger in Westeuropa befüllt werden sollen, nachdem Gazprom bis dahin noch verstärkt die inländischen Speicher versorgen müsse. Zwar dürfte kaum jemand damit gerechnet haben, dass nun die Pipeline-Kapazitäten vollumfänglich genutzt werden. Doch der Wochenanfang sorgt zunächst für Ernüchterung. Erst am Dienstag und Mittwoch ist ein gewisser Anstieg der Flussrate via Polen zu verzeichnen. Allerdings bewegt sich das Niveau im historischen Vergleich noch immer am unteren Ende. So kommt es zwar im Tagesverlauf zunächst zu fallenden Strom- und Gaspreisen, doch die Kurse legen schnell wieder zu. Am Donnerstag sorgt obendrein die Aussage des belarussischen Staatschefs Lukaschenko für Unruhe, als dieser mit einer Unterbrechung der Yamal-Pipeline droht, falls die EU weitere Sanktionen gegen sein Land beschlösse. Sollte er die Drohung wahrmachen, dürfte dies die Kurse schnell wieder nach oben katapultieren.

Die Yamal-Pipeline via Polen – eine der drei Hauptrouten von Russland in die EU

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Zudem macht der Blick auf die aktuellen Wetterprognosen wenig Hoffnung auf fallende Preise. Schon früh steht für weite Teile Europas ab der KW47 eine erste Kältewelle zu erwarten, die für eine zügige Entnahme der Gasspeichermengen sorgen wird – und kaum von etwaigen Mengensteigerungen aus Russland kompensiert werden kann.

Insgesamt ist der Markt also weiterhin durch große Unsicherheiten geprägt und damit reichlich Potenzial für starke Kursschwankungen vorhanden.

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Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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