Energiemarkt-Kommentar: Emissionsrechte sorgen erneut für steigende Strompreise
Von ISPEX am 12. Nov 2025
Auf ein Drittes: Anfang November sorgt erneut zum Monatswechsel ein Schub am EUA-Markt für steigende Stromkurse. Am Gasmarkt geht der Trend in eine andere Richtung – trotz des nun beschlossenen Abschieds vom Energielieferanten Russland. Ein erster Jahresrückblick zeigt, dass Energieeinkäufer:innen, die auf technische Kaufsignale setzen, auch 2025 erfolgreich für das kommende Jahr beschaffen konnten.
Entwicklung der Stromkurse für die kommenden Jahre
(Stand: 10.11.25, Quelle: ISPEX Kompass)
Strom: DE Base 2027 mit neuem Jahresrekord
Für die Notierung des Strom-Frontjahres beginnt der Monat Oktober mit rund 85 €/MWh. Nur drei Handelstage später kostet DE Base 2026 bereits 88 €/MWh. Trotz zahlreicher Versuche im weiteren Verlauf des Monats kommt die Notierung nicht über dieses Niveau hinaus, sondern bewegt sich seitwärts. Das ändert sich erst mit der Anfang November (einmal mehr) einsetzenden Rallye am EUA-Markt: DE Base 2026 steigt erstmals seit Juni wieder über die Marke von 90 €/MWh. Seit Anfang Oktober hat sie sich damit um bis zu 6,8 % verteuert – nach einer Korrektur beträgt der Zuwachs per 10. November noch 4,0 %.
Weniger stark ist das Aufwärtsmomentum bei DE Base 2027. Nach kräftigen Zugewinnen an den ersten Oktobertagen von 83,36 €/MWh bis auf das Monatsmaximum von 85,90 €/MWh am 6. Oktober geht es anschließend abwärts, wobei die Notierung wiederholt bei 84 €/MWh auf Unterstützung trifft. Die Wende nach oben kommt abermals mit dem Monatswechsel: Kostete DE Base 2026 am 31. Oktober noch rund 84 €/MWh, sind es am 4. November schon 87,28 €/MWh – ein neuer Jahreshöchstwert und ein Plus von 4,7 % gegenüber dem 1. Oktober.
Entwicklung Erdgas-Terminkurse
(Stand: 10.11.25, Quelle: ISPEX Kompass)
Gas-Frontjahr fällt abermals auf neues Jahrestief
Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich am Gasmarkt. Der Abwärtstrend, der im August seinen Anfang nahm, setzt sich im Oktober fort. THE 2026 beginnt den Monat mit 32,41 €/MWh und fällt am 31. Oktober erstmals seit Mai 2024 unter die Marke von 32 €/MWh mit 31,73 €/MWh. Die Anfang November einsetzende Aufwärtsbewegung im Energiekomplex sorgt nur für vergleichsweise geringe Zugewinne. Mit 32,71 €/MWh verharrt THE 2026 am 4. November unter dem Maximum des Vormonats von 32,90 €/MWh. Gegenüber Anfang Oktober ist ein kleines Plus von 0,9 % zu verzeichnen.
THE 2027 steht gleichfalls unter Abwärtsdruck, doch trifft die Notierung knapp oberhalb von 30,00 €/MWh wiederholt auf Unterstützung. Die bisherigen Jahrestiefstwerte von um die 29,50 €/MWh in den Monaten März und April bleiben somit unerreicht. Am 4. November kann THE 2027 auf 30,66 €/MWh zulegen – nahezu unverändert im Vergleich zum 1. Oktober.
Die Gaskurse geben nach, obwohl sich eine Mehrheit der EU-Energieminister im Oktober auf ein Ende der Gas- sowie Öleinfuhren ex Russland verständigt hat. Denn wie von den Marktteilnehmern erwartet, sollen die Importe schrittweise untersagt werden und mit Ablauf des Jahres 2027 gänzlich zum Erliegen kommen. Die Zustimmung seitens des Parlaments und Kommission steht noch aus, gilt aber im Wesentlichen als sicher. Überdies verständigen sich die EU-Staaten im Rahmen der Gemeinsamen Außen- & Sicherheitspolitik am 22. Oktober auf das 19. Sanktionspaket, das ein Ende der LNG-Einfuhren ex Russland bereits ab Anfang 2027 vorsieht. Hierbei ist keine Zustimmung durch das Parlament erforderlich. Im vergangenen Winter stammten noch bis zu 22 % der monatlichen LNG-Importe der EU aus Russland. Im Oktober fiel der Anteil auf 10,5 % – ein Minus von 34 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Hauptgrund für den steilen Rückgang sind allerdings die stark gestiegenen Einfuhren aus den USA. In absoluten Zahlen betrug das Minus nur 6,6 %.
Relative Entwicklung der Kurse im Energiekomplex
(Stand: 10.11.25, 0 % = 01.10.25; Quelle: ISPEX Kompass)
CO2-Preis treibt Stromkurse
Der Anstieg am Strommarkt erklärt sich hauptsächlich mit dem bullishen Sentiment am EUA-Markt. Nachdem bereits zu Beginn der Monate September sowie Oktober die Kurse anstiegen, folgt Anfang November die dritte Rallye. Der Future „Dezember 2025“ legt innerhalb von nur zwei Handelstagen um 4,8 % auf 82,31 €/t zu. Damit notiert der europäische CO2-Preis so hoch wie seit Ende Januar nicht mehr. Zwar kommt es anschließend zu einer Gegenbewegung bis auf rund 80 €/t, doch das muss keineswegs ein Ende des Aufwärtstrends bedeuten.
Der jüngste Rücksetzer am EUA-Markt fällt zeitlich zusammen mit der Einigung der EU-Umweltminister auf das Klimaziel 2040. So soll der Ausstoß von CO2 (sowie als äquivalent eingestufte Gase) bis dahin um 90 % gegenüber dem Jahr 1990 reduziert werden. Tatsächlich jedoch nicht mehr ausschließlich innerhalb der Grenzen der EU. Denn die Staaten haben sich darauf verständigt, dass bis zu 5 Prozentpunkte der Minderung kostengünstiger im Ausland stattfinden darf, nachgewiesen durch Internationale Carbon Credits. Überdies erwägen die Minister nach Angaben der Agentur Reuters, diesen Wert zu einem späteren Zeitpunkt noch auf 10 Prozentpunkte zu erhöhen.
Die Einigung wird weithin als Verwässerung der EU-Klimapolitik verstanden, auch wenn die EU den internationalen Vergleich weiterhin nicht scheuen muss, was ihre Klimaziele betrifft. Der EU-Rat verständigte sich auch auf eine weitere Drosselung der Ambitionen: Das zweite EU-Emissionshandelssystem (ETS2) für Gebäudewärme und Verkehr soll nun erst im Jahr 2028 und damit ein Jahr später als geplant starten. Die Zustimmung des Parlaments steht dazu noch aus.
Darüber hinaus setzen sich besonders Deutschland und Österreich dafür ein, dass die kostenfreie Zuteilung von Emissionsrechten an Industriebetriebe im bestehenden ETS1 über das Jahr 2034 hinaus verlängert wird.
Die EU signalisiert mit ihrer aktuellen Klimapolitik, eine neue Balance zwischen Klimaschutz und Transformationskosten anzustreben. Grundsätzlich wirkt eine Abschwächung der Klimapolitik selbstverständlich bearish auf die Kurse am EUA-Markt. Doch die anstehende Verknappung des Angebots im ETS1 ab dem kommenden Jahr übertrumpft die vorgenannten Maßnahmen, die längerfristig wirken.
Technische Analyse – Stromkurs DE Base 2026
(Stand: 10.11.25; Quelle: ISPEX Kompass)
Bollinger Band als Kaufindikator
Das Jahr geht allmählich dem Ende entgegen und die meisten Energieeinkäufer:innen haben Strom für das kommende Jahr bereits beschafft. So kann bereits ein erstes Résumé gezogen werden bezüglich der Verwendung von technischen Kaufsignalen zur Bestimmung von Einkaufszeitpunkten. Ein bevorzugter Signalgeber in der Energiewirtschaft ist ein Unterschreiten des Bollinger Bandes. Dieses visualisiert die erwartbaren Kursschwankungen auf Basis der Volatilität der zurückliegenden Wochen. Ein Kaufsignal liegt somit vor, wenn die beobachtete Notierung unerwartet stark nach unten ausschlägt. In Bezug auf die Schlusskurse von DE Base 2026 ist es dazu vier Mal seit Jahresanfang gekommen, darunter auch der Jahrestiefstwert von 77,62 €/MWh am 9. April. Die weiteren Signale rangieren zwischen 80,63 €/MWh und zuletzt 85,10 €/MWh. Im Vergleich zum Jahresmittelwert von DE Base 2026 von bislang 87,58 €/MWh lässt sich festhalten, dass Entscheider mit Hilfe dieser Methode den Markt „geschlagen“ haben.
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