Energiemarkt-Kommentar: Gaskurse brechen ein

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Es geht kräftig abwärts an den Terminmärkten für Gas und Strom, obwohl der Winter gerade erst begonnen hat, die Gasvorräte im Vergleich zu den Vorjahren keineswegs üppig sind und der Gasverbrauch bereits im November stark anzieht. Denn auf einen relativ kalten November folgt voraussichtlich ein milder Dezember. Und die Geopolitik rückt wieder in den Fokus: Die Ukraine scheint zunehmend unter Druck, einem für sie längerfristig eher ungünstigen Friedensplan zustimmen zu müssen. Je weiter man in die Zukunft schaut, desto weniger sind die Stromkurse allerdings beeinflusst von den Schwankungen am Gasmarkt.

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Entwicklung der Stromkurse für die kommenden Jahre
(Stand: 04.12.25, Quelle: ISPEX Kompass)

Strom: Terminkurs für 2027 büßt Zugewinne wieder ein

Nahezu spiegelbildlich stehen sich die Kursentwicklungen von Anfang sowie Ende November gegenüber. Der Schlusskurs von DE Base 2026 am 31. Oktober betrug noch 87,00 €/MWh, am 4. November erreicht die Notierung bereits das Monatsmaximum von 90,87 €/MWh – ein Plus von 4,4 Prozent innerhalb von nur zwei Handelstagen. Eine Korrektur sorgt um die Monatsmitte für einen Rückgang bis auf minimal 88,34 €/MWh. Steil talwärts geht es ab der letzten Novemberwoche: Ausgehend von fast 89 €/MWh fällt der Frontjahres-Future bis auf zuletzt 84,32 €/MWh – der tiefste Stand seit dem Sommer.

Die Notierung für das Folgejahr, DE Base 2027, folgt diesem Muster im Verlauf des November, allerdings auf einem etwas niedrigeren Niveau sowie mit weniger starken Schwankungen. So bewegt sich die Notierung im Korridor von 85,48 €/MWh bis 87,42 €/MWh – der höchste Wert im laufenden Jahr. Anfang Dezember steuert sie auf die Marke von 83 €/MWh zu. Damit schickt sich DE Base 2027 an, die Zugewinne seit Anfang Oktober vollständig abzugeben.

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Entwicklung Erdgas-Terminkurse
(Stand: 04.12.25, Quelle: ISPEX Kompass)

Kursrutsch am Gasmarkt

Verantwortlich für die Verluste am Strommarkt ist ein Kursrutsch an den Gasmärkten. Bis zum 20. November befand sich THE 2026 seit August in einem Abwärtstrend. Dieser geht während der letzten Novembertage in eine steile Talfahrt über. Kostet der Future am Donnerstag, dem 20. November noch 31,60 €/MWh, sind es am 4. Dezember nur noch 28,34 €/MWh. Und damit erstmals seit März 2024 wieder weniger als 29,00 €/MWh. Bei THE 2027 ließ sich in den zurückliegenden Monaten kein derart ausgeprägter Abwärtstrend wie beim Frontjahr beobachten – erst im Oktober geben die Kurse allmählich nach. Ende November kommt es für THE 2027 allerdings gleichfalls zu starken Verlusten. Die Notierung fällt von rund 29,50 €/MWh bis auf 27,29 €/MWh am 4. Dezember.

Die Gaskurse brechen just zu einer Zeit ein, als in Deutschland der Verbrauch auf winterliche Niveaus von bis zu 4,3 TWh pro Tag ansteigt. Die Entnahmen aus den Gasspeichern fallen in der Folge im vergangenen Monat so hoch aus wie in keinem November seit dem Jahr 2016. Der Gasspeicherstand sinkt daher um rund 8 Prozentpunkte innerhalb von nur zwei Wochen auf knapp 67 Prozent. Somit steigt (zunächst) die Wahrscheinlichkeit, dass die Speicher hierzulande im März zu weniger als 10 Prozent befüllt sein werden.

Dass die Preise dennoch fallen, ist vorrangig auf zwei Ursachen zurückzuführen. Die Temperaturprognosen für den Monat Dezember des ECMWF tendieren ab dem 21. November Tag für Tag in Richtung eines milden Szenarios – das setzt sich bis in den Dezember fort. Hinzu kommt der Friedensplan aus den USA für die Ukraine. Der wieder zunehmende Druck Washingtons auf Kiew sowie die prekäre Lage des Landes lässt die Chancen für das Szenario vermeintlich steigen, demnach die Ukraine im Laufe des kommenden Jahres zu harten Zugeständnissen bereit sein könnte.

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Terminkurve Strom Deutschland
(Stand: 04.12.25, Quelle: ISPEX Kompass)

Strom-Terminkurve dreht sich

Ein Blick auf die Strom-Terminkurve für Deutschland zeigt, dass keineswegs alle Futures von der Entwicklung am Gasmarkt gleichermaßen nach unten gezogen werden. Während bei den Lieferjahren 2026 sowie 2027 im Vergleich zu den Schlusskursen vom ersten Handelstag im November merkliche Verluste zu verbuchen sind, haben sich die Futures ab 2029 sogar verteuert. Und das obwohl auch die Gas-Futures zum Ende der Dekade gefallen sind. Beispielsweise kostet Gas für das Jahr 2029 zuletzt nur noch 24,47 €/MWh statt 25,77 €/MWh nur einen Monat zuvor. Allerdings sind die Verluste bei Gas umso höher, je früher das Lieferjahr ist.

Wichtiger für die Entwicklung der Strompreise zum Ende des Jahrzehnts und darüber hinaus sind die EU-Emissionsrechte (EUA). Und die können ihre Zugewinne seit Ende des Sommers bislang halten. So kostet der EUA-Future ‚Dezember 2029‘ seit Ende November bis zu 93,62 €/t.

Die Dominanz des europäischen CO2-Preises am langen Ende der Strom-Terminkurve erklärt sich nicht zuletzt mit einer mangelnden Flexibilität im deutschen Stromsystem. Es fehlen Gaskraftwerke oder alternative Kapazitäten, welche die Kohlemeiler vollständig ersetzen könnten. Batterien bergen zwar das Potenzial, die fluktuierende Erzeugung aus Wind und Sonne im Tagesverlauf besser der Nachfrage anzupassen und somit die fossile Produktion ein Stück weit zu reduzieren – etwa im Sommer in den Abendstunden. Längere Phasen mit wenig Wind oder Sonne können die Speicher jedoch nicht ausgleichen. Deshalb werden die Kohlekraftwerke also sehr wahrscheinlich noch länger gebraucht, zumal wenn die Stromnachfrage durch den verstärkten Einsatz insbesondere von E-Autos sowie Wärmepumpen in den kommenden Jahren wächst.

Im Ergebnis ist das Potenzial für weitere Fuel‑Switch‑Effekte zwischen Gas- und Kohlekraftwerken weitgehend ausgeschöpft. Weshalb der CO2-Preis derart kräftig auf die Stromterminkurse durchschlägt.

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Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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