Iran-Krieg: Drohende Preisentwicklung
Von ISPEX am 3. Mrz 2026
Industriekomplex Ras Laffan in Katar – hier werden rund 20 Prozent des weltweiten LNGs produziert.
Seit Montag, den 2. März, ist die Produktion kriegsbedingt eingestellt (Quelle: QatarEnergy)
Ungefähr 20 Prozent des globalen LNG-Angebots sind seit dem Wochenende vom Weltmarkt abgeschnitten. Mit jedem Tag, der vergeht, an dem keine Ware aus Katar nach Asien und (nachrangig) Europa gelangt, desto größer wird das kumulierte Defizit. Die Preise steigen entsprechend, bis sich die Nachfrage an das stark reduzierte Angebot angepasst hat. Am Terminmarkt wird die Knappheit bereits vorweggenommen.
Die deutschen Gaspreise sind gestern für die Monate April bis einschließlich Juni sehr gleichmäßig um im Mittel etwa 12,50 €/MWh gegenüber den Schlusskursen von Freitag angestiegen. Etwas weniger kräftig sind bislang noch die Aufschläge auf die Futures für die zweite Jahreshälfte (weniger als 10,00 €/MWh). Relativ klein das Plus beim Frontjahr von 2,54 €/MWh. Das heißt, am Markt wird in erster Linie die Versorgung im laufenden Jahr als kritisch eingestuft.
Stromkurse Deutschland für Lieferung in den kommenden Jahren –
Reaktion gestern noch verhalten (Quelle: EEX)
Heute Morgen setzt sich der Aufwärtstrend fort – der TTF-Frontmonat steigt bis auf 59 €/MWh. Ein Ende ist kaum absehbar, denn die Ungewissheit über die Dauer des Entfalls katarischer LNG-Lieferungen befeuert die Spekulation zusätzlich. Daher ist es ein realistisches Szenario, dass der Gaspreis für eine Lieferung im kommenden Monat – wenn typischerweise die Einspeicherperiode beginnt – zumindest temporär auf über 100 €/MWh ansteigt. Am Strom-Spotmarkt kann dies Base-Preise von über 200 bis 250 €/MWh zur Folge haben. Sollte eine ausreichende Befüllung der Speicher nur zu sehr hohen Kosten realisierbar sein, dann wird auch THE 2027 noch stärker zulegen. Kurse bis etwa 80 €/MWh wären plausibel, falls Katar tatsächlich dauerhaft als Lieferant ausfiele.
Gaspreis Deutschland für das Restjahr 2026 Stand gestern –
Heute Vormittag geht es Richtung 50 €/MWh (Quelle: EEX)
Kurzfristig ist denkbar, dass die LNG-Produktion in Katar schon nach wenigen Tagen oder Wochen wieder aufgenommen wird. Die Kurse könnten in der Folge vorübergehend nachgeben.
Doch letztlich hängt die weitere Entwicklung davon ab, ob es dem US-Militär gelingt, die Straße von Hormus sowie die vor- und nachgelagerten Seewege zu sichern sowie Angriffe auf die Gasproduktion im und am Persischen Golf zu unterbinden – eine große Herausforderung, denn das Binnenmeer hat eine Länge von 1.000 km und ist 200 bis 300 km breit. Die Huthi-Rebellen im Jemen haben in den vergangenen Jahren vorgeführt, wie schwer sich die Schifffahrt effektiv vor asymmetrischen Angriffen mit Drohnen und Raketen schützen lässt – der Suez-Kanal gilt noch immer als weitgehend unpassierbar. Dabei ist es auch ein ökonomisches Problem, wenn eine Drohne 20.000 USD kostet, eine Abwehrrakete jedoch 4 Mio. USD. Auch Tanker einzeln durch Kriegsschiffe zu begleiten, dürfte keine Lösung darstellen. Der Anreiz für das Regime in Teheran ist jedenfalls sehr groß, der Weltwirtschaft über die Energiepreise Schmerzen zuzufügen, damit Washington möglichst klein beigibt.
Straße von Hormus
(Quelle: CIA)
Hinsichtlich der Gasspeicher in Deutschland und Europa verschafft uns das sehr milde Wetter eine Atempause. Zwar werden konstant hohe Einspeichermengen im Verlauf der Speicherperiode ab April benötigt, um ausreichend Gas bis November zu bevorraten. Doch wird der Füllstand bereits im März eher zulegen als weiter absinken. Schaffen es die USA und Israel, ihre Ziele innerhalb der von Trump grob angesetzten vier bis fünf Wochen zu erreichen, dann kämen wir mit einem blauen Auge davon – Zweifel daran sind freilich angebracht.
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