Wie nutzen Unternehmen Batteriespeicher?
Von ISPEX am 9. Jul 2025
Eine ISPEX-Umfrage zeigt hohes Interesse an Speicherlösungen zur Eigenverbrauchsoptimierung und zur Reduktion individueller Netzentgelte.
ISPEX hat Mitte bis Ende Mai eine Befragung unter deutschen Unternehmen durchgeführt, um deren Bedarf und Zielsetzung beim Einsatz von stationären Batteriespeichern zu ermitteln. Die Umfrage richtete sich an Unternehmen mit einem jährlichen Stromverbrauch zwischen 300 MWh und 100 GWh. Insgesamt flossen 40 qualifizierte Antworten in die Auswertung ein. Die Unternehmen verfügen zusammen über rund 42 MW installierter Leistung erneuerbarer Energieanlagen – davon etwa 35 MWp Photovoltaik.
Das Interesse an Batteriespeichern ist hoch: Ein Viertel der befragten Unternehmen plant bereits konkret den Einsatz eines Speichersystems. Weitere 67,5 % beschäftigen sich mit ersten Überlegungen dazu auf mittlere Sicht. Nur 7,5 % sehen keinen Bedarf.
Markt für Batteriespeicher entwickelt sich rasant
Der Markt für stationäre Batteriespeicher in Deutschland verzeichnet ein dynamisches Wachstum. Innerhalb der letzten zehn Jahre sind die Preise für Speicherlösungen auf etwa 10 bis 15 % ihres ursprünglichen Niveaus gefallen. Diese signifikante Kostenreduktion steigert die Wirtschaftlichkeit vielfältiger Speicheranwendungen und macht Batteriespeicher zu einem zunehmend attraktiven Bestandteil der Energiewende.
Eigenerzeugung als zentraler Treiber
Eine zentrale Rolle spielt die Eigenerzeugung: 90 % der Befragten setzen bereits auf eigene Stromproduktion oder planen diese – primär mittels Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerken (BHKW). Fördermittel nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) spielen dabei kaum eine Rolle, wie der Umstand zeigt, dass über die Hälfte der Anlagen keine EEG-Förderung beansprucht.
Ist die geplante Anlage eine EEG-Anlage?
Die Anteile der verschiedenen Erzeugungsarten verteilen sich wie folgt: Der Großteil entfällt mit rund 68 % auf Photovoltaik, gefolgt von Blockheizkraftwerken mit 25 %. Windkraft und Wasserkraft spielen mit zusammen weniger als sieben % eine untergeordnete Rolle.
Anteile der Eigenerzeugungsarten
Ziele und Anwendungen von Batteriespeichern
Optimierung des Eigenverbrauchs
Für fast 80 % der befragten Unternehmen ist die Steigerung der Eigennutzung von selbst erzeugtem Strom ein zentrales Ziel beim Einsatz von Batteriespeichern. Diese Strategie erhöht nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Eigenerzeugung, sondern schafft auch Preisstabilität. Voraussetzung ist eine Speicherkapazität, die zur Leistung des Systems passt, um möglichst viel erzeugte Energie selbst zu nutzen.
Optimierung des Eigenverbrauchs
Individuelle Netzentgelte (§19 StromNEV)
Gleichauf in der Priorität liegt die Nutzung individueller Netzentgelte zur Kostensenkung. Hierfür müssen Speicherlast und -kapazität gezielt auf die Hochlastzeitfenster abgestimmt werden. Zwar ist dieses Anwendungsfeld derzeit eine der profitabelsten Einsatzmöglichkeiten für Batteriespeicher, allerdings bestehen Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Bestandskraft der gesetzlichen Regelung.
Ersparnis an Netzentgelten
Optimierte Strombeschaffung
Für etwa die Hälfte der befragten Unternehmen – insbesondere mit einem Verbrauch von über 10 Gigawattstunden jährlich – ist die Nutzung des Speichers zur zeitoptimierten Strombeschaffung von Bedeutung. Diese Anwendung kommt vor allem dann zum Tragen, wenn der Speicher nicht zur Eigenverbrauchsoptimierung oder Netzentgeltreduktion benötigt wird. Voraussetzung ist ein Vertrag mit Stromlieferung am Spotmarkt.
Optimierung der Beschaffung
Flexibilitätsvermarktung
Die Vermarktung von Flexibilität an den Energiemärkten ist ein weiteres Einsatzgebiet, das vor allem für größere Unternehmen mit entsprechendem Verbrauchsprofil relevant ist. Der wirtschaftliche Nutzen ist bei volatilen Strompreisen besonders hoch, allerdings bedarf es dafür technischer und vertraglicher Voraussetzungen, wie etwa Spotverträge und EEG-rechtliche Klarheit bei der Eigenerzeugung.
Flexibilitätsvermarktung
USV und Notstromversorgung
Die Nutzung von Batteriespeichern zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) ist stark abhängig vom Produktionsprozess der Unternehmen. Etwa ein Fünftel der Unternehmen sieht hier einen hohen Nutzen. Einschränkungen ergeben sich durch die begrenzte Speicherkapazität sowie die Anforderungen des jeweiligen Stromverbrauchers.
Unterbrechungsfreie Stromversorgung/Notstromversorgung
E-Mobilität
Im Vergleich zu anderen Anwendungen wird der Einsatz von Batteriespeichern zur Unterstützung betrieblicher E-Mobilitätsinfrastruktur derzeit nur von wenigen Unternehmen als relevant angesehen. Dennoch birgt dieser Bereich technisches Potenzial, das bislang nicht im Fokus steht.
Unternehmen setzen auf praxisnahe Anwendungen
Die Umfrage zeigt deutlich, dass Unternehmen vor allem praxisorientierte und wirtschaftlich kalkulierbare Anwendungsfälle priorisieren. Im Zentrum stehen die Optimierung des Eigenverbrauchs und die Nutzung individueller Netzentgelte – also direkte Einsparpotenziale und Effizienzgewinne. Strategisch komplexere Modelle wie die Vermarktung von Flexibilität oder die Optimierung der Beschaffung werden selektiv betrachtet, vor allem bei großem Verbrauch.
Unter den aktuellen Markt- und Rahmenbedingungen kann sich die Investition in einen Batteriespeicher für Unternehmen bereits innerhalb von vier bis acht Jahren amortisieren. Abhängig vom gewählten Einsatzbereich können dabei selbst kleinere Speicherlösungen eine hohe Wirtschaftlichkeit erzielen. Entscheidend ist, bereits in der Planungsphase sämtliche potenziellen Vermarktungsmöglichkeiten zu prüfen und zu bewerten. Die technische Auslegung und Dimensionierung des Speichersystems sollte sich dabei konsequent am vorrangigen Anwendungszweck orientieren, um eine maximale betriebswirtschaftliche Effizienz zu gewährleisten.
Strategische Fragestellungen im Fokus
Die Ergebnisse der ISPEX-Umfrage zeigen: Das Interesse an Batteriespeichern ist groß, die Einsatzmöglichkeiten vielfältig – und doch stehen viele Unternehmen erst am Anfang ihrer strategischen Entscheidungsfindung. Im nächsten Schritt geht es darum, zentrale Fragen zu klären: Wie kann das eigene Beschaffungsmodell künftig ausgestaltet werden, um Flexibilität und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen? Welche Perspektiven bieten die aktuellen Regelungen zur atypischen Netznutzung – und wie lange bleiben sie in ihrer heutigen Form bestehen? Ist die Vermeidung von Überschusseinspeisung bei negativen Strompreisen ein vorrangiges Ziel? Und vor allem: Welche Anbieter verfügen über das Know-how und die Lösungen, um individuelle Anforderungen passgenau umzusetzen? Die Antworten darauf werden entscheidend sein für die erfolgreiche Integration von Batteriespeichern in unternehmerische Energiestrategien.
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