Energiemarkt-Kommentar: Energiepreisniveau im April nur leicht gestiegen

ISPEX Energiemarkt-Kommentar 05 2017

Wie erwartet stiegen die Energiepreise im April auf ein etwas höheres Niveau als im Vormonat, gaben Ende des Monats allerdings bereits wieder nach. Infolge des insgesamt etwas höheren Preisniveaus sind auch die Beschaffungspreise für Unternehmen etwas angestiegen. Der von ISPEX ermittelte durchschnittlich erzielbare Preis lag beim Abschluss von Gas- als auch Stromlieferverträgen etwas über den Konditionen, die noch im März erzielt wurden.

ISPEX-Energiepreisindex: Strompreise im April etwas höher

Der im April durchschnittlich gebotene Strompreis stieg im Vergleich zum Vormonat etwas an. Im April lag der Durchschnittspreis nun bei 3,30 ct/kWh nach 3,20 ct/kWh im März.

Strompreisindex April 2017

Der Strompreis bewegt sich im bisherigen Verlauf des Jahres 2017 weiter in einem engen Preiskorridor seitwärts. Er bildet damit im Grunde den Verlauf der Notierungen an den Börsen nach. Auch dort sind die Preise seit Monaten recht stabil und bieten weiter gute Beschaffungskonditionen. Am Markt zeigte sich, dass Unternehmen sich mittlerweile wieder stärker dem Thema Energie widmen und die Lieferverträge für die Folgejahre verhandeln. Aktuell spricht nichts gegen ein weiteres Zuwarten, da auch nicht zu erwarten ist, dass die Preise kurzfristig nachgeben werden.

In der aktuell stabilen Lage sollte im Zuge der Beschaffungsüberlegungen jedoch geprüft werden, ob die Beschaffung zum Fixpreis an einem einzigen Zeitpunkt tatsächlich dem Risikoprofil des Unternehmens entspricht. Wie in anderen Märkten ist auch hierzulande zu beobachten, dass Unternehmen vermehrt eine Beschaffung am Markt entlang in Erwägung ziehen. Eine solche Einkaufsstrategie, z.B. mit mehreren auf verschiedene Einkaufszeitpunkte verteilten Tranchen, trägt zur Risikominimierung bei und stellt nach Ansicht der meisten Energieexperten die zeitgemäße Beschaffungsstrategie dar. Mehr zu diesem Ansatz unter Energiebeschaffung.

Stabile Strompreise an den Energiebörsen

Wie erwähnt sind die stabilen Einkaufskonditionen das Abbild der Situation an den Strombörsen. Hier ist seit Beginn des Jahres eine entsprechende Seitwärtsbewegung zu beobachten.

Entwicklung der Großhandelspreise für Strom

Preischart Strom 2017 April

Genau wie erwartet stiegen die Notierungen für Stromlieferungen zu Monatsbeginn wieder etwas an, mündeten aber in keinem deutlichen Aufwärtstrend. Vielmehr stabilisierten sie sich zunächst und gaben Ende des Monats sogar wieder etwas nach. Nach wie vor gibt es derzeit aber weder einen klaren Preistrend, noch Anzeichen für Impulse aus dem Markt, die eine deutliche und nachhaltige Preisbewegung nach oben oder unten auslösen könnten.

Allen voran dürfte sich sicherlich der Kohlepreis in den kommenden Wochen seitwärts bewegen. Dieser ist gegenwärtig der stärkste Indikator für den Strompreis. Uns fehlen jedoch eindeutige Anzeichen für eine einseitige Richtungsänderung. Hier verhalten sich die Weltmärkte derzeit ruhig. Der Kohlepreis orientiert sich seinerseits am Ölpreis und dieser dürfte sich vor dem geplanten Treffen der erdölproduzierenden Länder Ende Mai nicht sonderlich bewegen – immer vorausgesetzt, es treten keine unvorhergesehenen Sondereffekte auf. Vieles spricht also für einen weiter stabilen Strompreis. Allenfalls die Konjunkturaussichten und das politische Klima könnten die Strompreise in Europa stützen oder ihnen ein wenig Auftrieb geben.

ISPEX-Energiepreisindex: Gaspreis nahezu stabil

Die im April erzielten Gaspreise bei den Vertragsverhandlungen lagen im April nur knapp über den Märzpreisen. Der Durchschnittspreis stieg kaum spürbar von 1,75 ct/kWh auf 1,77 ct/kWh.

Gaspreisindex April 2017

Anders als der Strompreis ist der Gaspreis nun schon seit Mitte letzten Jahres kaum in Bewegung. Lediglich ein ganz leichter Aufwärtstrend lässt sich der Preiskurve entnehmen. Das ist insofern durchaus bemerkenswert, als dass es in dieser Zeit doch zu teils deutlichen Preisschwankungen an den Großhandelsmärkten gekommen ist. Hier zeigt sich, dass das unterschiedliche Einkaufsverhalten der Lieferanten dazu führen kann, dass Preisschwankungen an den Großhandelsplätzen ausgeglichen werden und nicht unmittelbar bis zum Endkunden durchschlagen.

Derzeit fehlen Signale für ein kurzfristig deutliches Absacken der Märkte und damit einhergehend auch der Endpreise. Daher spricht vieles dafür, das derzeitige Niveau zu nutzen, um zumindest für das Folgejahr zu beschaffen. Aus der bisherigen Entwicklung der Marktdaten und der Endpreise kann geschlossen werden, dass der leichte Aufwärtstrend noch anhält und es absehbar keine günstigere Möglichkeit zur Gasbeschaffung geben wird.

Preisbewegungen bei Erdgas in engem Korridor

Die Schwankungen bei den Gaspreisen zeigten sich im April in nur abgeschwächter Form. Sie bewegten sich in einem sehr schmalen Korridor.

Entwicklung der Großhandelspreise für Erdgas

Preischart Gas 2017 April

Vor dem Hintergrund der miteinander verquickten Preisbildung unterschiedlicher Energiearten zeichnet sich auch für die Gaspreise ein derzeit stabiles Bild ab. Angesichts der Entwicklung der Kohle- und insbesondere Ölpreise sind keine größeren Bewegungen zu erwarten. Zwar stiegen die Ölpreise erwartungsgemäß etwas an, fanden dann aber wieder ihre Grenze in etwa auf Höhe der Marke von 55 US-Dollar je Barrel. Maßgeblichen Einfluss haben hier die Produktionskosten des vor allem in den USA durch Fracking geförderten Erdöls. Diese setzen dem Preis eine natürliche Grenze, da sich bei deren Überschreiten die Fördermethode lohnt und das Angebot auf dem Markt vergrößert wird.

Mit Spannung bleibt abzuwarten, welche Beschlüsse zum Thema Fördergrenzen auf dem geplanten Treffen der Erdölförderländer Ende Mai gefasst werden. Dies scheint in absehbarer Zeit der größte Hebel für eine Bewegung bei den Erdölpreisen und in dessen Folge für die übrigen Energieprodukte zu sein. Sollte die bisher vereinbarte Begrenzung fallen, dürfte das die Preise belasten. Ein erneutes Bekenntnis zu den Förderhöchstgrenzen jedoch würde mit Sicherheit zur weiteren Stabilisierung beitragen.

 

Haftungsausschluss

Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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Dr. Stefan Arnold

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