Energiemarkt-Kommentar: Strom an der Börse so teuer wie zuletzt vor 10 Jahren

ISPEX, Energiemarkt, Kommentar, Strom, Gas, Erdgas, April 2021

Seit Anfang April notiert der Strompreis für das Frontjahr nun oberhalb von 57 €/MWh auf einem Niveau, das wir zuletzt im Jahr 2011 gesehen haben. Für einen Großteil der Unternehmen in Deutschland rückt mit der Entwicklung der vergangenen Monate ein Energiepreis von über 6 ct/kWh als Anteil am Gesamtstrompreis immer näher. Doch scheint sich die Dynamik zuletzt etwas abzuschwächen. ISPEX analysiert die Entwicklung und wagt einen Ausblick für die kommenden Wochen.

Strombörse: Frontjahr legt im März 4 €/MWh zu

Preisentwicklung Strom Phelix Base und Peak für das Jahr 2022 (Quelle: EEX)

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Die Strompreise entwickeln sich im Verlauf des März ähnlich wie im Februar: Auf eine Rallye zu Monatsanfang folgt eine Phase der Konsolidierung, die bis zum Monatsende anhält. Die Stromkurse folgen dabei dem CO2-Preis. Bezogen auf den Kurs für das Frontjahr beträgt die Preissteigerung in beiden Monaten jeweils rund 4 €/MWh. Auslöser für die Rallye im März sind Befürchtungen um eine ausreichende Ölversorgung der Weltwirtschaft, die sich als unbegründet herausstellen sowie das jüngste Konjunkturpaket der US-Regierung. So beginnt der Strompreis für 2022 (Base) den Monat bei ca. 52 €/MWh und steigt bis zur Monatsmitte über die Marke von 56 €/MWh. In der zweiten Monatshälfte pendelt die Notierung im Korridor zwischen 55,10 €/MWh und dem Monatsmaximum am letzten Handelstag von 56,78 €/MWh, als sich bereits eine neue Rallye zu Anfang April ankündigt.

Im Monatsmittel kostet das Frontjahr Strom im März 54,99 €/MWh, ein Anstieg um 5,1 % gegenüber dem Vormonat. Die Kalenderjahre 2023 sowie 2024 verteuern sich auf 55,03 €/MWh bzw. 52,19 €/MWh.

Gasbörse: CO2-Preis und kühles Wetter treiben Erdgaskurse

Preisentwicklung Erdgas NCG für das Jahr 2022 (Quelle: EEX)

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Wie die Stromkurse folgen im März auch die Gaspreise dem Geschehen am Markt für die Europäischen Emissionsrechte. Denn je höher der CO2-Preis, desto stärker die Gasnachfrage für die Stromerzeugung, während sich die Marktposition des Energieträgers Kohle verschlechtert. Zusätzlich unterstützen Phasen kühlen Wetters die Aufwärtsbewegungen am Gasmarkt. Notiert der Kurs NCG 2022 nach der warmen Periode Ende Februar zunächst unterhalb von 17 €/MWh, steigt er mit den unterdurchschnittlichen Temperaturen und der Rallye am CO2-Markt bis auf 18,36 €/MWh am 12. März, dem Monatshöchstwert. Anschließend fällt der Kurs kurzzeitig bis auf 17,71 €/MWh, stabilisiert sich im weiteren Monatsverlauf jedoch oberhalb von 18 €/MWh.

Das Frontjahr legt im Monatsmittel um 4,5 % auf 17,78 €/MWh gegenüber dem Vormonat zu. Die Jahre 2023 und 2024 kosten durchschnittlich 16,91 €/MWh bzw. 16,19 €/MWh.

Ausblick: Rallye am CO2-Markt scheint an Dynamik einzubüßen

Mit 44,46 €/t markiert der CO2-Preis am 12. April 2021 erneut einen neuen Rekord (Quelle: EEX)

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In den ersten Tagen des Aprils – wie schon zu Beginn der Monate Februar und März – ziehen die Kurse im Energiesektor stark an. Der CO2-Preis überschreitet erstmals die Marke von 44 €/t. Dies führt zu einem Anstieg des Strompreises für das Jahr 2022 (Base) bis auf 58,15 €/MWh in der Spitze, dem höchsten Stand seit gut zehn Jahren. Der Gaspreis für das Frontjahr klettert zeitgleich bis auf maximal 18,57 €/MWh und befindet sich damit auf dem Preisniveau von Ende des Jahres 2019.

Auffällig ist, dass das Tempo der Zugewinne am CO2-Markt nun schwächer ausfällt als noch in den Monaten zuvor. Knapp 2 €/t hat der Kurs seit Anfang April zugelegt, während in den gleichen Zeiträumen der Vormonate Februar und März jeweils ein Plus von mehr als 5 €/t zu verzeichnen war. Möglicherweise ist im Korridor von 40 €/t bis 45 €/t ein Niveau erreicht, das den Marktteilnehmern gerade noch als „sichere Wette“ erscheint. Denn zumindest bis Ende Juni bleibt unklar, wie schnell und wie stark die EU ihre Klimapolitik tatsächlich über einen höheren CO2-Preis verschärfen wird. Freilich ist nichts auszuschließen und ein weiterer Anstieg des CO2-Preises bis auf ca. 50 €/t dürfte angesichts der Entwicklung der letzten Monate kaum überraschen. Den Strompreis für das Frontjahr kann dies bis auf ca. 60 €/MWh (Base) treiben.

Eine Entspannung am Strommarkt könnte im Mai eintreten, wenn die Heizperiode zu Ende ist, die Industrieunternehmen im Europäischen Emissionshandel ihrer Compliance-Pflicht nachgekommen sind und die Briten ab Ende Mai ihr eigenes Handelssystem starten. Zudem könnten die Gaspreise mit steigenden Flüssiggas-Importmengen fallen. Nachdem die Frachtraten für Flüssiggas (LNG) aus den USA nach Europa im Januar laut dem Informationsdienst Platts noch auf einem Allzeithoch lagen, sind sie zuletzt auf einen Rekordtiefstand gefallen, womit sich die Wettbewerbsposition von LNG gegenüber Pipeline-Gas wieder deutlich verbessert.

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Die Analyse der genannten Energiepreise wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dient lediglich zu Informationszwecken. Die ISPEX AG und/oder der Autor übernehmen weder das Risiko einer Investitionsentscheidung, die auf obiger Analyse basiert, noch Verantwortung für eventuell daraus entstehende Verluste oder Kosten. Diese trägt der Investor alleine.

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